Netzentwicklung für ein zukunftsfähiges Netz
Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan im März 2011 wurde die teilweise bereits beschlossene Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke durch eine Novellierung des sog. Atomgesetz rückgängig gemacht: Alle Kernkraftwerke in Deutschland werden schrittweise, bis 2022, abgeschaltet.
Auf der anderen Seite soll der Anteil an erneuerbaren Energien deutlich gesteigert werden: bis 2020 soll 30% der Stromversorgung aus regenerativen Energiequellen kommen, 80% des gesamten Stromverbrauchs bis 2060. Dabei spielen die Offshore-Windenergieanlagen in der Nordsee eine extrem wichtige Rolle. Um den Strom aus windintensiven Gebieten (Norddeutschland) in die Verbrauchszentren nach Mittel- und Süddeutschland zu transportieren, braucht man vor allem eines: ein leistungsfähiges, sicheres und stabiles Übertragungsnetz.
Diese Netzentwicklung wird, gem. der Grundsätze für die Planung des deutschen Übertragungsnetzes, gemeinsam von allen vier deutschen ÜNB in enger Zusammenarbeit vorgenommen werden. Ein wesentlicher Baustein davon bildet der neue Netzentwicklungsplan (NEP). Ziel des NEP ist, die Bevölkerung miteinzubinden (Transparenz) und für den Netzausbau zu sensibilisieren (Akzeptanz) damit die notwendigen Netzausbaumaßnahmen zügig und rechtzeitig fertiggestellt werden können.
Netzentwicklungsplan (NEP)
Auf der gesetzlichen Grundlage des novellierten EnWG erstellen die deutschen ÜNB jährlich den gemeinsamen NEP, der alle wirksamen Maßnahmen zur bedarfsgerechten Optimierung, Verstärkung und zum Ausbau des Netzes enthalten muss, die in den nächsten zehn Jahren für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlich sind. Weitere Informationen zum NEP und dem neuen Szenariorahmen, der die Grundlage bildet, finden Sie hier.
Während die ÜNB den Netzentwicklungsplan erstellen, wird von der Bundesnetzagentur parallel ein Umweltbericht erstellt. Aus diesen beiden Berichten wird der Entwurf des Bundesbedarfsplans abgeleitet, der nach Verabschiedung durch den Gesetzgeber den Rang eines Bundesgesetzes hat. Für die im Bundesbedarfsplan als länderübergreifend oder grenzüberschreitend gekennzeichneten Höchstspannungsleitungen wird das Raumordnungsverfahren durch die Bundesfachplanung der Bundesnetzagentur ersetzt.
Neben diesen Neuerungen im Planungs- und Genehmigunsverfahren wurde zur Beschleunigung des Netzausbaus zusätzlich das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) verabschiedet. Weitere Informationen finden Sie hier.
Netzentwicklung im Wandel
Vor der Liberalisierung orientierte sich die Netzentwicklung hauptsächlich an der Lastentwicklung. Die notwendigen Kraftwerke wurden verbrauchsorientiert, in der Nähe von Lastzentren, errichtet. Auf diese Weise optimierte man den Energiemarkt in der jeweiligen Regelzone. Verbundkuppelleitungen zu Partnernetzen dienten primär der Störungsaushilfe.
Heute folgt das Netz dem Kraftwerk. Um Treibhausgase zu vermeiden und unsere gemeinsam festgelegten Klimaziele zu erreichen, setzen wir primär Kraftwerke, die mit Erneuerbare Energien betrieben werden, ein. Die besonders ergiebigen Windenergieanlagen liegen an den Küstenbereichen der Nord- und Ostsee.
Damit hat sich die Transportaufgabe für die Übertragungsnetze in Deutschland bei nahezu gleicher Last vergrößert, weil die Erzeugung nicht mehr nur verbrauchsnah sondern verstärkt verbrauchsfern erfolgt.
Der Kraftwerkseinsatz wird mittlerweile sogar europaweit optimiert, um den Kunden möglichst günstig Energie bereitstellen zu können. Die notwendige Kapazität und Ausbauerfordernis der Verbundkuppelleitungen in Europa hat deutlich zugenommen und wird heute vom europaweiten Handel bestimmt.
Rückgrat der Energieversorgung
Alle großen europäischen Kraftwerke sind an das europäische Übertragungsnetz 380/220 kV angeschlossen, das gemeinsam von 42 Netzbetreibern betrieben wird. Es ist vergleichbar mit dem europäischen Autobahnnetz.
Unser Netz verzeichnet Energieflüsse von den Kraftwerken in unserer Regelzone zu den Verbrauchern. Darüber hinaus ist es durch seine zentrale Lage in Europa und 38 Verbundübergabestellen geprägt. Die direkte Nachbarschaft zu Frankreich, Österreich und der Schweiz sowie der stetige Ausbau der Windenergie im Norden Deutschlands und der Zubau von Pumpspeicherkraftwerken im südlichen Teil Europas (Österreich, Schweiz und Italien) bewirken einen Zuwachs der horizontalen Transite über das Netz in Nord-Süd-Richtung.
Ein kontinuierlichen Planungsprozess gewährleistet, dass neuen Transportaufgaben an das Netz und die vom Gesetzgeber geforderten Ziele Leistungsfähigkeit, technische Sicherheit, Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit regelmäßig überprüft, angepasst und eingehalten werden.
Netz und Markt
Aus dem Zusammenspiel von Europäischem Markt, Kraftwerkseinsatz und Kundenlast ergeben sich die zu erwartenden Handelsflüsse. Netzmodelle bauen auf diesen Ergebnissen der Marktmodelle und Prognose der Handelsflüsse auf und weisen den zusätzlich notwendigen Netzausbaubedarf aus.
Wichtige Erkenntnisse für die Netzentwicklung liefern fachübergreifende Grundsatzstudien, die gemeinsam mit energiewirtschaftlichen Instituten erarbeitet wurden. Hierzu zählen beispielsweise dena I, dena II und EWIS.
Die nationale und europäischen Rahmenbedingungen und Parameter für die Netzentwicklungsplanung stimmen wir mit unseren Stakeholdern ab und legen diese mit den politisch Verantwortlichen fest.
Die Analyse erfolgt anhand umfangreicher Datenmodelle, die alle europäischen Übertragungsnetzbetreiber (TSO) beinhalten. Der wichtigste europäische Verband ist für uns die ENTSO-E, da hier alle europäischen Übertragungsnetzbetreiber zusammengeschlossen sind.
Die Ergebnisse werden nicht nur national (in Form von Regionenmodellen), sondern auch international in Ausbauplänen und Studien veröffentlicht, z.B. der Ten-Year Network Development Plan (TYNDP) der ENTSO-E.
- Regionenmodell 2009 .pdf, 460 KB , Deutsch
- Regionenmodell 2013 .pdf, 462 KB , Deutsch
Umsetzung der Energiepolitik
Auf deutscher und europäischer Ebene werden die energiepolitischen Klimaschutzziele der EU 20/20/20 in Einklang gebracht und auf die europäischen Übertragungsnetze angewandt. Die Zahlen stehen für 20 % Verminderung der Treibhausgase, 20 % Steigerung der Energieeffizienz und 20 % Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020.
Die TransnetBW GmbH bestimmt regelmäßig anhand von Kennzahlen aus Marktmodellen den Erreichungsgrad dieser Ziele in Baden-Württemberg.
Durch eine stringente Netzentwicklung im Übertragungsnetz 380/220 kV wird in Baden-Württemberg die Voraussetzung geschaffen, dass diese Klimaziele erreicht werden können. Wir schaffen neue Wege, um die erneuerbaren Energien zu unseren Kunden zu bringen.
Dabei bleiben die Ziele des Energiewirtschaftsgesetztes im Blickfeld. Besonders die Versorgungssicherheit unserer Kunden liegt uns dabei am Herzen.
Ansprechpartner
DIALOG Netzbau
TransnetBW GmbH
DIALOG Netzbau, Team Netzstrategie
Anlagenmanagement
Pariser Platz
Osloer Straße 15-17
70173 Stuttgart
E-Mail: DialogNetzbau@transnetbw.de
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Downloads
- Entwicklung der Übertragungsinfrastruktur 2012 12 .pdf, 73 KB , Deutsch
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Weiterführende Inhalte
- DENA
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