SuedLink

HGÜ-Technologie

Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung

Für SuedLink wird die Technik der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) eingesetzt. Die Energieübertragung mittels Gleichstroms ist besonders bei großen Distanzen vorteilhaft. Dort sind die Übertragungsverluste deutlich geringer als bei vergleichbaren Wechselstromleitungen. Moderne Gleichstromtechnik macht es außerdem möglich, Lastflüsse im Netz besser zu steuern. Damit können erneuerbare Energien, die in ihrer Produktion stark schwanken, besser und flexibler in das Stromnetz integriert werden. In Deutschland wird die HGÜ-Erdkabel-Technik bei der Anbindung von Windparks in der Nord- und Ostsee verwendet. TenneT betreibt landseitig bereits heute zahlreiche Erdkabelleitungen mit insgesamt mehr als 1.200 Kilometern Länge. Das bestehende Übertragungsnetz in Deutschland wird standardmäßig mit Wechselstrom betrieben. Hierbei wechselt der Strom 100-mal pro Sekunde zwischen seinem Plus- und Minuspol hin und her. Man spricht daher von einer Frequenz von 50 Hertz. Beim Gleichstrom wechselt der Strom seine Polarität nicht, sondern bleibt konstant. Um Gleichstromleitungen an das bestehende Wechselstromnetz anzubinden, sind sogenannte Konverteranlagen notwendig. Diese wandeln Wechselstrom in Gleichstrom um und umgekehrt. Von dort kann der umgewandelte Strom in das bestehende Netz eingespeist werden. HGÜ-Leitungen sind als Punkt-zu-Punkt Leitungen konzipiert. Das heißt die Ein- bzw. Ausspeisung der SuedLink-Leistung ins Wechselstromnetz erfolgt ausschließlich an den jeweiligen Konverterstationen im Norden und Süden Deutschlands.

Überregionaler Stromtransport mittels HGÜ

Gleichstromleitungen können aus technischer Sicht als Seekabel sowie an Land als Erdkabel oder als Freileitung gebaut werden. In skandinavischen Ländern und auch in Kanada, den USA und Asien kommen sie als Freileitung schon seit Jahrzehnten zum Einsatz. In Deutschland wird HGÜ bei der Anbindung von Offshore-Windparks eingesetzt.
SuedLink besteht aus den zwei HGÜ-Verbindungen von Wilster nach Bergrheinfeld/West sowie von Brunsbüttel nach Großgartach/Leingarten. Die beiden Verbindungen sollen jeweils eine Übertragungskapazität von 2 Gigawatt haben, insgesamt also 4 Gigawatt. Mit dieser Leistung, die etwa der Leistung von vier Atomkraftwerken entspricht, können circa 10 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden.

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Hintergrundinformationen zur Gleichstromtechnologie haben wir in unserem Factsheet für Sie zusammengefasst.

Erdkabel

Laut Gesetzesänderung vom Dezember 2015 sollen Gleichstromleitungen wie SuedLink vorrangig als Erdkabel verlegt werden. TenneT und TransnetBW haben sich dabei für die Verlegung innovativer 525-kV-Kabel entschieden.

TransnetBW und TenneT verfolgen bei SuedLink das Ziel, die Erdkabel so umweltschonend wie möglich zu verlegen und gleichzeitig die Sicherheit der Stromversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten. Dabei kann TenneT auf umfangreiche Erfahrungen mit der Erdkabel-Technologie setzen: Vor allem in Norddeutschland hat TenneT bereits mehr als 1.200 Kilometer Gleichstromerdkabel verlegt. Nach umfangreichen Tests haben sich TransnetBW und TenneT entschieden, bei SuedLink innovative kunststoffisolierte Gleichstromerdkabel mit einer Spannungsebene von 525 Kilovolt (kV) einzusetzen. Gegenüber herkömmlichen 320-kV-Kabeln bieten sie erhebliche Vorteile: Durch die höhere Spannungsebene können die Kabel mehr Leistung übertragen und beim Stromtransport geht weniger Energie verloren. Dadurch halbiert sich bei gleichbleibender Übertragungsleistung von vier Gigawatt die Anzahl der benötigten Kabel. Auch die bau- und betriebsbedingten Auswirkungen auf die Umwelt werden dadurch erheblich reduziert.

Verlegung von HGÜ-Erdkabeln

Die Art der Verlegung eines Gleichstromerdkabels hängt von den Gegebenheiten vor Ort und den jeweiligen technischen Rahmenbedingungen ab. Bei der Planung müssen z. B. die Bodenbeschaffenheit, die Hangneigung oder die Kreuzung anderer Infrastrukturen (etwa Auto- und Eisenbahnen oder größere Flüsse) berücksichtigt werden. Üblicherweise werden die SuedLink-Kabel in offener Bauweise verlegt. Dabei werden die Erdkabel direkt in einen offenen Kabelgraben gelegt. Gewässer und Infrastrukturen können mittels einer geschlossenen Bauweise per HDD-Bohrung (Horizontalbohrverfahren) gekreuzt werden. Für die Querung der Elbe ist aufgrund der Breite des Flusses ein Tunnel notwendig.
Grundsätzlich werden die HGÜ-Erdkabel im Regelfall mit einer Überdeckung von 1,30 bis 1,50 Meter verlegt. Bei der offenen Verlegung werden die verschiedenen Bodenschichten sauber voneinander getrennt entnommen und gelagert. Anschließend werden die Kabel auf ein Bettungsmaterial in den Kabelgraben eingebracht. Die Verbindung der einzelnen Kabelenden erfolgt über sogenannte Muffen. Sie werden in einem staubfreien Container miteinander verbunden. Der Container wird anschließend wieder entfernt.
Während der Bauzeit muss neben den Kabelgräben temporär Platz für Baufahrzeuge und Erdaushub geschaffen werden. Durch die Festlegung auf 525-kV-Kabel und eine geringere Anzahl an Gräben fällt dieser Arbeitsstreifen wesentlich schmaler aus als zuvor geplant. Auf der Stammstrecke (zwei Gräben) wird eine Fläche von ca. 40 bis 45 Metern und auf der Normalstrecke (ein Graben) von ca. 30 bis 35 Metern Breite benötigt. Die Normalstrecke sind die jeweiligen Teilstrecken zu den vier Endpunkten bzw. Konvertern von SuedLink.
Im Betrieb von SuedLink ist dann nur noch eine deutlich kleinere Fläche von Bebauung und tiefwurzelnden Gehölzen freizuhalten: Dieser sogenannte Schutzstreifen ist auf der Stammstrecke ca. 16 bis 20 Meter und auf der Normalstrecke ca. 8 bis 12 Meter breit.


Nach der Verlegung werden die Gräben in der ursprünglichen Reihenfolge der Bodenschichten rückverfüllt und wiederhergestellt. Nach der Bau- und Rekultivierungsphase kann die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt oder begrünt werden. Maßnahmen zur Rekultivierung werden eng mit den Bewirtschaftern und Eigentümern der Flächen abgestimmt.
Weitere Hintergrundinformationen zur Erdverkabelung bei Gleichstrom finden Sie auch in unserem Factsheet.

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Das Factsheet können Sie hier herunterladen.

Konverter

Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom und umgekehrt

Das Stromnetz in Deutschland wird standardmäßig mit Wechselstrom betrieben und auch in Haushaltsgeräten wird Wechselstrom verbraucht. Um die SuedLink-Gleichstromleitung mit dem bestehenden Wechselstromnetz zu verbinden, sind Konverterstationen an den Endpunkten von SuedLink nötig. Dort wird der ankommende Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und umgekehrt. Die erprobte Gleichstromtechnik ist ein zentraler Baustein, um das Stromnetz für einen weiter steigenden Anteil an erneuerbarem Strom fit zu machen.

Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz

Die SuedLink-Konverter sind als selbstgeführte Stromrichter (Voltage Source Converter) geplant. Ein selbstgeführter Stromrichter kann neben der ein- oder ausgespeisten Wirkleistung auch die Netzspannung unabhängig regeln und damit flexibel auf Schwankungen von Erzeugung und Verbrauch im Netz reagieren. Jeder Konverter kann sowohl als Gleich- als auch als Wechselrichter betrieben werden. Durch eine koordinierte Steuerung der beiden Konverter kann SuedLink so je nach Bedarf Windstrom in den Süden oder Solarenergie in den Norden transportieren.


Das gesamte Gelände einer Konverterstation hat je nach technischer Ausführung einen Flächenbedarf von etwa sieben bis achteinhalb Hektar. Darauf stehen die Konverterhallen mit den Konvertern und der Leistungselektronik. Im Außenbereich der Anlage befinden sich u.a. Transformatoren und Kühlaggregate. Der Außenbereich ist vergleichbar mit einer Umspannanlage und kann zu großen Teilen begrünt werden.


Der Konverterstandort in Leingarten (Großgartach)

Nach Abschluss des derzeit laufenden Umbaus des Umspannwerks Großgartach/Leingarten und des bereits durchgeführten Rückbaus der 220-kV-Schaltanlage bietet sich die innerhalb des Umspannwerks liegende freie Fläche für den südlichsten Konverterstandort von SuedLink besonders an.


TransnetBW hat den Standort Großgartach in der Gemeinde Leingarten als Potenzialstandort in das Bundesfachplanungsverfahren eingebracht. Dort wird eine Verknüpfung des Standorts mit der Trassenkorridorfindung sichergestellt, damit der Endpunkt der Trasse mit der Netzverknüpfung übereinstimmt. Das eigentliche Genehmigungsverfahren für den Konverter findet jedoch außerhalb der Bundesfachplanung statt. TransnetBW wird hierfür einen Antrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landratsamt Heilbronn durchführen. Den Genehmigungsbescheid hierfür hat TransnetBW am 15. Januar 2019 erhalten.

TransnetBW informiert die lokale Öffentlichkeit frühzeitig und umfassend über jeden Planungsschritt.

Infocenter Leingarten im Mai 2019 eröffnet

Dem besonderen Stellenwert des Standortes Leingarten trägt TransnetBW seit Mai 2019 auch mit einem Infocenter nahe des Umspannwerks Rechnung. Besucherinnen und Besucher können sich hier über SuedLink, die Konverter-Technologie und den Netzknotenpunkt in Leingarten informieren. Für nähere Informationen über das Infocenter und die Möglichkeiten eines Besuchs kontaktieren Sie uns gerne unter: infocenter-leingarten@transnetbw.de.

Der Antrags- und Genehmigungsprozess

Der Genehmigungsprozess für die Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb des Konverters am Standort Großgartach/Leingarten wird in einem umfassenden Verfahren durchgeführt. Rechtliche Grundlagen für den Ablauf des Verfahrens bzw. einzelner Verfahrensschritte sind §25 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG), §2 des Umweltverwaltungsgesetzes des Landes Baden-Württemberg (UVwG BW), die Verordnung über das Genehmigungsverfahren (9. BImSchV) und §5 des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVPG).

Innerhalb des Verfahrens lassen sich wesentliche Aufgabenbereiche des Antragstellers – also der TransnetBW – auf der einen Seite sowie der Genehmigungsbehörde – also dem Landratsamt Heilbronn – auf der anderen Seite abgrenzen.

Wesentliche Aufgaben des Antragstellers sind demnach die Durchführung einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung, die Antragstellung und die Erarbeitung und Übermittlung von Antragsunterlagen. Welche Unterlagen dies im Einzelnen sind, legt die Genehmigungsbehörde, also das Landratsamt Heilbronn, fest. Die Behörde prüft den Antrag und die Antragsunterlagen und führt im Rahmen der Prüfung ein Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren durch. Hierzu legt sie die Antragsunterlagen öffentlich aus. Wenn auf dieser Grundlage Einwendungen erfolgen, richtet die Behörde einen Erörterungstermin mit den Einwendern aus. Nach Abschluss von Prüfung und Bewertung des Antrags trifft die Behörde eine Entscheidung über die Genehmigung des Antrags und veröffentlicht das Ergebnis. Die Behörde kann für das Verfahren einen oder mehrere unabhängige Sachverständige hinzuziehen.

Mit diesem Genehmigungsverfahren wird die erste Teilgenehmigung nach §8 BImSchG beantragt. Der Antrag auf die erste Teilgenehmigung umfasst dabei folgende Punkte:

  • Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb des Konverters
  • Die Baugenehmigung nach §58 Landesbauordnung Baden-Württemberg für alle notwendigen Anlagenbauwerke und Gebäude

Nach §8 Abs. 1 Nr. 3 müssen die vorzulegenden Unterlagen im Rahmen einer vorläufigen Beurteilung sicherstellen, dass der Errichtung und dem Betrieb der gesamten Anlage keine von vornherein unüberwindlichen Hindernisse im Hinblick auf die Genehmigungsvoraussetzungen entgegenstehen. Kein Betriebsbereich der Anlage unterliegt den Vorschriften der Störfallverordnung (12. BImSchV).
TransnetBW hat diese Genehmigung mit dem Bescheid am 15. Januar 2019 offiziell erhalten.
Die Errichtung der weiteren Gewerke wird in einer oder mehreren weiteren Teilgenehmigungen beantragt.

Darüber hinaus wurden im Verfahren für die erste Teilgenehmigung folgende Unterlagen erstellt und den Antragsunterlagen beigefügt:

  • Landschaftspflegerischer Begleitplan Eingriffsregelung gem. §20ff NatSchG i. V. m. §14ff BNatSchG
  • Artenschutzrechtlicher Fachbeitragbesonderer Artenschutz gem. §44 BNatSchG
  • Natura 2000-Vorprüfung für das FFH-Gebiet Nr. 6820-311 „Heuchelberg und östlicher Kraichgau“ (bisher: Nr. 6820-341 „Östlicher Kraichgau“)Natura 2000-Verträglichkeit gem. §38 NatSchG i. V. m. §34 BNatSchG

Umweltauswirkungen

Für die Erteilung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung ist gemäß den rechtlichen Vorgaben (u. a. Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz) keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich. Dennoch hat TransnetBW im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens einen Umweltbericht in Anlehnung der rechtlichen Vorgaben für eine UVP vorgelegt. Der Umweltbericht ermittelt, beschreibt und bewertet die Auswirkungen des Vorhabens auf folgende Schutzgüter sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen Schutzgütern. Die Schutzgüter sind vom Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz vorgegeben:

  • Menschen, einschließlich der menschlichen Gesundheit
  • Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt
  • Boden
  • Wasser
  • Luft
  • Klima
  • Landschaft
  • Kulturgüter und sonstige Sachgüter

Der Umweltbericht enthält insbesondere eine detaillierte Beschreibung der Auswirkungen des Vorhabens auf die oben genannten Schutzgüter einschließlich ihrer Wechselwirkungen untereinander. Der Umweltbericht wurde von TransnetBW als Antragsteller beauftragt und von einem unabhängigen Umweltsachverständigen erstellt. Er wurde im Rahmen des behördlichen Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahrens als Bestandteil der Antragsunterlagen ausgelegt.



Ihre Beteiligung

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Hinweise konkret zu diesem Vorhaben?
Dann senden Sie diese Rückmeldung bitte an die TransnetBW

per Post:
Transnet BW
Pariser Platz
Osloer Straße 15-17
70173 Stuttgart

TransnetBW wird die die lokale Öffentlichkeit weiterhin umfassend informieren.

Salzbergwerksvariante

SuedLink unter Tage

In der Region rund um Heilbronn trifft SuedLink auf planerische Herausforderungen wie eine dichte Besiedlung, zahlreiche Gewerbeflächen, die Querung von Gewässern wie Neckar und Lein sowie Infrastrukturen wie Autobahnen und Bahnstrecken. Diese machen eine Verlegung der SuedLink-Kabel im offenen Kabelgraben schwierig. Im Rahmen der Bundesfachplanung hat das Land Baden-Württemberg deshalb den Vorschlag eingebracht, die SuedLink-Kabel für einen Teilabschnitt unter Tage in den Bergwerken Heilbronn und Bad Friedrichshall zu verlegen. Eine solche untertägige Verlegung kann die Auswirkungen auf Mensch und Natur in der Region minimieren.
Bei der sogenannten „Salzbergwerksvariante“ sollen die SuedLink-Kabel östlich von Bad Friedrichshall im Ortsteil Kochendorf in eine Tiefe von rund 200 Meter geführt und dann untertägig ca. 16 Kilometer verlegt werden, bis sie östlich von Großgartach in der Stadt Leingarten wieder an die Oberfläche kommen. Sämtliche Arbeiten, sowohl zur Prüfung der technischen Machbarkeit als auch die mögliche spätere Realisierung, werden in Projektpartnerschaft mit dem Betreiber der Bergwerke Heilbronn und Bad Friedrichshall, der Südwestdeutschen Salzwerke AG, realisiert. Sollte sich die Salzbergwerksvariante im weiteren Verfahren als die beste erweisen, wäre die Realisierung ein technisches Novum. Die finale Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur.


Erkundungsbohrungen testen Machbarkeit

Für die Verlegung der SuedLink-Kabel unter Tage werden in Kochendorf und Leingarten neue Zugangsschächte benötigt. Zur Erkundung der beiden potenziellen Schachtstandorte in Leingarten und Kochendorf wurden bereits 2019 Bohrarbeiten durchgeführt. Die Bohrungen bis in eine Tiefe von 240 Metern diente zur Erkundung der geologisch-hydrogeologischen Verhältnisse im Untergrund. So sollte die technische Machbarkeit bestätigt und eine detaillierte Planung der Schächte ermöglicht werden. Das SuedLink-bewegt-Team war vor Ort und hat sich von Experten die Hintergründe und die Abläufe auf der Baustelle erklären lassen. Unser Videotagebuch zur Erkundungsbohrung finden Sie hier.

Schachtbau und Verlegung unter Tage

Sollten die SuedLink-Kabel innerhalb des Bergwerks verlegt werden, dann werden die benötigten Zugangsschächte konventionell bergmännisch abgeteuft. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden die möglichen Schachtstandorte nochmals im Detail geprüft.
Über die Schächte werden die Kabel in das Bergwerk hinein (Kochendorf) und zurück an die Oberfläche (Leingarten) geführt. Innerhalb des Bergwerks sollen die Kabel dann vorzugsweise in einem gefrästen Graben verlegt werden. Alternativ können die Kabel auch in einen durch Betonstützelemente abgetrennten Bereich geführt werden. In beiden Fällen wird das Kabel gebettet und mit Steinsalzbruch überschüttet. Auch eine Verlegung mittels Bohrung ist unter Tage möglich.

Boden und Wald

Der Schutz des Bodens ist von besonderer Bedeutung

Hochspannungsgleichstrom-Verbindungen wie SuedLink sollen als Erdkabel verlegt werden. Das wurde gesetzlich beschlossen. Eingriffe in den Boden sind damit unvermeidbar. Als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie als unverzichtbare Grundlage für die Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen erfüllt der Boden vielfältige Funktionen. Umso wichtiger ist es, mit dem Schutzgut sorgsam und fachkundig umzugehen – und das vor, während und nach dem Bau von SuedLink.

Leitlinien Bodenschutz und Bodenschutzkonzept

Bereits bei der Suche nach einem geeigneten Korridorverlauf haben TenneT und TransnetBW die Verschiedenheit der Böden berücksichtigt. Darüber hinaus haben die beiden Vorhabenträger projektübergreifende Leitlinien zum Bodenschutz erarbeitet. Sie formulieren einen Rahmen wie die Belange des Bodenschutzes sowie der Land- und Forstwirtschaft bei zukünftigen Erdkabel-Projekten beachtet werden sollen.
Die Leitlinien bilden die Grundlage für das spätere projektspezifische Bodenschutzkonzept SuedLink. Zugeschnitten auf die örtlichen Verhältnisse und Bauweisen legt dann das Bodenschutzkonzept die erforderlichen Bodenschutzmaßnahmen für das Bauvorhaben fest. So soll der Erhalt bzw. die Wiederherstellung des Bodens und seiner Ertragsfähigkeit sichergestellt werden. Sowohl bei der Erstellung der Leitlinien als auch beim Bodenschutzkonzept arbeiten TenneT und TransnetBW eng mit den Behörden, Verbänden, Landwirten und lokalen Experten zusammen. Im Herbst 2019 tauschten sich die Vorhabenträger im Rahmen von Dialogveranstaltungen mit Vertretern land- und forstwirtschaftlicher Verbände aus, um regionales Wissen für die Erstellung des Bodenschutzkonzepts einzusammeln.

Bodenkundliche Baubegleitung plant und überwacht den Bodenschutz

Eine Bodenkundliche Baubegleitung (BBB) plant und überwacht die Umsetzung der im Bodenschutzkonzept vorgegebenen Schutzmaßnahmen. Die BBB ist eine unabhängige Beratung durch Bodenschutzfachexperten, die sicherstellt, dass die Anforderungen an den Bodenschutz in allen Projektphasen berücksichtigt werden. Eine wichtige bauvorbereitende Aufgabe der BBB ist die Erfassung des Ist-Zustandes der Böden, um die Bodenfruchtbarkeit vor und nach dem Bau miteinander zu vergleichen.
Die BBB begleitet den Prozess der Rekultivierung. Im günstigsten Fall können die Böden direkt nach der Wiederherstellung der Bodenoberfläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Wo erforderlich, kann die Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen durch landwirtschaftliche Maßnahmen, wie eine sogenannte Zwischenfruchtbewirtschaftung, unterstützt werden. Die BBB steht Bewirtschaftern und Vorhabenträgern dabei beratend zur Seite. Ziel ist eine sachgerechte Rekultivierung, die individuell auf die örtlichen Verhältnisse und die Beanspruchung abgestimmt ist.

Besondere Schutzmaßnahmen im Wald und Forst

Wald- und Forstflächen werden bei der Korridor- und Verlaufsplanung von SuedLink so weit wie möglich umgangen. Wenn eine Umgehung nicht möglich ist, greifen besondere Schutzmaßnahmen, um die Auswirkungen auf die Natur so gering wie möglich zu halten. So wird bereits während der Planung geprüft, inwieweit die Kabel mit vorhandenen Schneisen für Straßen, Waldwegen, Freileitungen oder anderen erdverlegten Infrastrukturleitungen gebündelt werden können. Während der Bauphase werden Arbeitsflächen möglichst klein gehalten. Nach dem Bau werden die Nutzungsmöglichkeiten der Schneise und des Schutzstreifens den örtlichen Gegebenheiten angepasst und mit dem Grundstückseigentümer/-bewirtschafter abgestimmt.

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Weiterführende Informationen über die Aufgaben der Bodenkundlichen Baubegleitung und das Bodenschutzkonzept für SuedLink finden Sie in unserem Factsheet Bodenschutz, den Leitlinien Bodenschutz sowie dem aktuellen Rundbrief Bodenschutz.

Bodendenkmalschutz bei SuedLink

Der Boden ist nicht nur für Pflanzen und Tiere oder als landwirtschaftliche Nutzfläche ein wertvolles Gut. Auch Zeugnisse der Kulturgeschichte liegen im Boden verborgen. In enger Abstimmung mit Landesdenkmalbehörden und Archäologen koordinieren TransnetBW und TenneT archäologische Untersuchungen vor und während der Bauphase, um alle Kulturgüter fachgerecht zu bergen und zu konservieren.
So haben Voruntersuchungen am südlichen Netzverknüpfungspunkt in Leingarten bereits Spuren einer jungsteinzeitlichen, rund siebentausend Jahre alten Siedlung zu Tage gefördert. Wir haben die Ausgrabungen in Leingarten in einem Videotagebuch begleitet.

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