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18. Juni 2021

Wir brauchen SuedLink

Ein Meinungsbeitrag von Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung

Einmal mehr wird medientauglich die Notwendigkeit von SuedLink in Frage gestellt. SuedLink ist die Windstromleitung, die TransnetBW zusammen mit unserem Partner Tennet baut. Einmal mehr bin ich höchst erstaunt, wie plump angebliche Experten auf komplexe Fragen vermeintlich einfache Antworten finden und dabei Fakten bewusst ausblenden.

Wer sich den Netzentwicklungsplan (NEP) für das Jahr 2035 anschaut, erkennt: In Schleswig-Holstein stehen dann allein an Land Windräder mit einer Kapazität von mehr als 12 Gigawatt (GW) – und das Nachfrageband zeigt in der Spitze rund drei GW. Das ist ein großer Überschuss.

Gleichzeitig wird es in den nächsten Jahren vor allem in den wirtschaftlich starken und bisher auf konventionelle Energie gestützten Länder Bayern und Baden-Württemberg einen wachsenden Importbedarf geben. Denn dort steht dem Rückgang konventioneller Kapazitäten kein ausreichender Aufbau regionaler, erneuerbarer Kapazität gegenüber. Gerade die industriellen Zentren lassen sich nicht allein regional versorgen.

Was macht da mehr Sinn als den Wind aus dem Norden mit einer hochmodernen Erdkabel-Leitung mit HGÜ-Technik in den Süden und Südwesten zu transportieren?

Welche Fakten werden noch ausgeblendet?

  • Der Netzentwicklungsplan berücksichtigt sehr wohl die Kosten des Netzausbaus. In einem zweistufigen Verfahren, wie es der Gesetzgeber vorsieht. Kosten-Nutzen-Analysen gehören selbstverständlich dazu.
  • Auf Dauer wird der Netzausbau den Druck auf die Strompreise senken. Dann, wenn die neuen Leitungen Engpässe aufgehoben haben, die wir heute mit milliardenschweren Redispatch-Maßnahmen lösen müssen.
  • Der Netzausbau senkt nicht nur die Redispatch-Kosten, sondern auch die CO2-Emissionen: Mehr erneuerbarer Strom kommt zum Verbraucher, weniger konventionelle Kraftwerke werden für Redispatch eingesetzt.
  • Stromhandel und Strom-Im- und -Exporte sind kein Teufelszeug, sondern wirken senkend auf die Preise und stabilisieren die Versorgungssicherheit – gerade der Süden Deutschlands wird in Zukunft auf Importe angewiesen sein.

Es ist klar: Deutschland braucht jede gute Idee, die die Energiewende voranbringt. Also regionale, dezentrale Lösungen genauso wie nationale und internationale Projekte. Aber am Ausbau des Übertragungsnetzes führt kein Weg vorbei. Alle anderen Behauptungen sind unseriös und volkswirtschaftlich nicht tragbar.

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