Presse­information

17. Mai 2022

Der Südwesten braucht neue Gaskraftwerke

  • Steuerbare Erzeugung ist unverzichtbarer Bestandteil der Systemsicherheit
  • Gasverstromung als Brückentechnologie zur Wasserstoffverstromung
  • TransnetBW schlägt „Neubau-Vorschuss“ als kosteneffizienten Investitionsanreiz vor

Moderne Gaskraftwerke, die auf den Einsatz von Wasserstoff vorbereitet sind, sind der klimaverträglichste und effizientes Weg, die notwendige steuerbare Erzeugung für die sichere Versorgung des Südens und Südwestens Deutschlands vorzuhalten: Darum stellt die Übertragungsnetzbetreiberin TransnetBW ein Anreizsystem für den Neubau netzdienlicher Kraftwerke vor.

Die aktuelle Debatte um die deutsche Abhängigkeit von Gasimporten beobachtet TransnetBW aufmerksam. „Dennoch gehen wir in diesen Zeiten mit unserem Anreizkonzept für neue Gaskraftwerke an die Öffentlichkeit, weil wir angesichts von Kernenergie- und Kohleausstieg jetzt mit den Planungen anfangen müssen. Schließlich sehen wir, dass Wirtschaft und Politik erfolgreich die Bezugsquellen für Gas diversifizieren, und setzen auf Wasserstoff als Energieträger der Zukunft“, erklärt Dr. Rainer Pflaum, Finanzvorstand der TransnetBW und für die Netzwirtschaft zuständig. In der angesichts der Ukraine-Krise aktualisierten Version sieht Konzept auch eine Lösung vor, sollte die Diversifizierung länger als erwartet benötigen.

Die letzten Kernkraftwerke mit einer Kapazität von vier Gigawatt (GW) gehen bereits Ende 2022 aus dem Markt. Dazu kommen bis 2030 im Zuge des Kohleausstiegs noch einmal fast 30 GW Kapazität in Kohlekraftwerken. Von dieser Kapazität betreffen über fünf GW direkt die Energieversorgung von Baden-Württemberg.

Gas als klimaverträglichste steuerbare Energiequelle ist das Mittel der Wahl, um diese Erzeugungslücke zu schließen. Handlungsbedarf besteht schon heute und dringend, damit mit Blick auf Genehmigungs- und Bauzeiten die Anlagen rechtzeitig zur Verfügung stehen. „Doch angesichts der Veränderungen in der Erzeugungslandschaft herrscht auf Seiten der Investoren eine große Unsicherheit über der Rentabilität neuer Kraftwerke. Hier wollen wir mit unserem Konzept gegensteuern: über die Idee des Neubau-Vorschusses für klimaverträgliche und systemdienliche gesicherte Leistung,“ erklärt Pflaum die grundlegende Idee des Konzeptes.

Zentrales Anreizinstrument ist eine zum Investitionszeitpunkt feststehende Vergütung für die zu erwartende Netzdienlichkeit der Anlage. Dabei wird für neue Anlagen mit einem anteiligen Werteverbrauch ein Teil der Vergütung für künftige Redispatch-Maßnahmen aus der Anlage als eine Art Vorschuss vorab garantiert. Die Redispatch-Maßnahmen werden vor allem im Südwesten einen erheblichen Anteil der Betriebsstunden neuer Kraftwerke ausmachen, was Basis für ein auskömmliches Geschäftsmodell ist.

So sieht das Verfahren aus: Basierend auf erweiterten Systemanalysen prognostizieren die Übertragungsnetzbetreiber sowohl den Neubaubedarf als auch die Zahl der Redispatch-Betriebsstunden in einer bestimmten Region. Die regionalen Leistungsbedarfe werden ausgeschrieben – so sollen Kraftwerke dort entstehen, wo sie im Sinne der Systemstabilisierung gebraucht werden. Die garantierte Vergütung für netzdienliche Einsätze schafft Sicherheit für Investoren. Gleichzeitig ist das Konzept äußerst kosteneffizient und führt erwartungsgemäß zu keinen Mehrkosten gegenüber dem Status Quo. Da kein grundsätzlicher Eingriff in das Strommarktdesign erfolgt, ist das Konzept vergleichsweise einfach und schnell umsetzbar.

„Damit 2030 ausreichend neue, klimaverträgliche gesicherte Leistung am Markt ist, können wir mit dem Neubau-Vorschuss kurzfristig wirksame Anreize schaffen,“ sagt Pflaum. Flankierend braucht es:

  • rechtlich geregelte wettbewerbliche Anreize, damit Kraftwerke dort gebaut werden, wo sie gebraucht werden;
  • erweiterte Systemanalysen, die zur rechtlichen Grundlage für die Bedarfsermittlung werden;
  • die Möglichkeit, die Anlage auf die Umstellung auf Wasserstoff vorzubereiten.

„Wir sind sicher: Mit dem Neubau-Vorschuss bekommen wir rechtzeitig die neuen Kraftwerke, die wir speziell im Südwesten dringend brauchen“, so Dr. Rainer Pflaum abschließend.

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