InnovationenMit diesen Flex-Projekten kommt Dynamik ins System

Wenn Wind und Sonne den Takt vorgeben, wird Flexibilität zur entscheidenden Ressource. TransnetBW erprobt in verschiedenen Projekten, wie sich Erzeugung, Verbrauch, Daten und Märkte intelligenter aufeinander abstimmen lassen. Die folgenden Projekte zeigen, wie diese Flexibilitäten konkret erschlossen und nutzbar gemacht werden.

OctoFlexBW

OctoFlexBW zeigt erstmals im großen Maßstab, wie die Flexibilität von Elektrofahrzeugen für das Netzengpassmanagement genutzt werden kann. Über 750 Fahrzeuge wurden in Baden-Württemberg so gesteuert, dass ihre Ladevorgänge gezielt in netzfreundliche Zeiträume verschoben werden. Ziel ist es, neue Flexibilitätsquellen zu erschließen – insbesondere vor dem Hintergrund sinkender konventioneller Kraftwerkskapazitäten. Das Projekt demonstriert, dass diese Form der Flexibilität bereits heute technisch funktioniert und in bestehende Prozesse integriert werden kann.

Welche Flexibilität wird hier genutzt?

Im Fokus steht Verbrauchsflexibilität, das zeitlich verschiebbare Laden von Elektrofahrzeugen. Neu ist vor allem die Skalierung und Integration: Die Flexibilität vieler einzelner Fahrzeuge wird gebündelt und als steuerbare Ressource vollständig automatisiert und marktbasiert im Redispatch eingesetzt.

So funktioniert’s

Bei Bedarf ruft TransnetBW Flexibilität aus einem Pool von Elektrofahrzeugen ab. Ein Aggregator verschiebt daraufhin die Ladevorgänge automatisch in günstigere Zeitfenster. Die Steuerung erfolgt über digitale Plattformen entlang der gesamten Kette von der Systemführung über DA/RE bis zur einzelnen Ladestation. Für die Nutzerinnen und Nutzer bleibt der gewünschte Ladezustand dabei unverändert.

Nutzen

Für das Stromsystem

  • Neue, skalierbare Flexibilität zur Entlastung von Netzengpässen
  • Reduzierung von Redispatch-Kosten
  • Geringerer Bedarf an konventionellen Eingriffen

Für weitere Akteure

  • Neue Geschäftsmodelle für Aggregatoren und Energieversorger
  • Kostenvorteile für Endkundinnen und -kunden
  • Hohe Akzeptanz durch komfortneutrale Anwendung

Status und Ausblick

Das Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen und hat die technische und operative Machbarkeit nachgewiesen. Die Erkenntnisse fließen direkt in Folgeprojekte wie DataFleX ein, in denen der Ansatz weiter skaliert und auf zusätzliche Flexibilitäten ausgeweitet wird.

 

OctoFlexBW zeigt, dass Elektroautos schon heute als flexible Ressource aktiv zur Netzstabilität beitragen können.

Projektvorstellung im Video: 
So funktioniert OctoFlexBW

DataFleX

DataFleX untersucht, wie sich tausende kleine, dezentrale Flexibilitäten künftig systematisch für das Engpassmanagement im Stromnetz nutzen lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Heimspeicher. Technologien, die im Zug der Energiewende stark zunehmen.

Ziel ist es, diese Flexibilitäten marktbasiert und automatisiert in den Redispatch zu integrieren. Dafür werden Flexibilitäten aus den Sektoren Energie, Mobilität und Wärme sektorübergreifend nutzbar gemacht und über automatisierte Prozesse zwischen Aggregatoren und Netzbetreibern in den Netzbetrieb eingebunden.

Welche Flexibilität wird hier genutzt?

Im Fokus steht verbrauchsseitige Flexibilität, also die Möglichkeit, Stromverbrauch zeitlich zu verschieben. Neu ist vor allem die Dimension: Statt einzelner Anlagen werden tausende kleine Flexibilitäten gebündelt und koordiniert eingesetzt. Aggregatoren fassen sie zu steuerbaren Einheiten zusammen und stellen sie dem Netzbetrieb als verlässliche Ressource zur Verfügung.

So funktioniert’s

Aggregatoren bündeln die Flexibilität vieler Geräte und bieten diese dem Netzbetreiber für Redispatch-Maßnahmen an. Über die DA/RE-Plattform werden die notwendigen Daten ausgetauscht und die Flexibilitäten bei Bedarf aktiviert. So entsteht ein automatisierter Prozess, bei dem Flexibilität aus dem Alltag direkt in die Systemführung integriert wird.

Nutzen

Für das Stromsystem

  • Neue Flexibilität zur Bewältigung von Netzengpässen
  • Reduzierung von Redispatch-Kosten
  • Bessere Integration erneuerbarer Energien

Für weitere Akteure

  • Neue Vermarktungsmöglichkeiten für Aggregatoren und Anlagenbetreiber
  • Perspektivisch geringere Systemkosten für Verbraucher
  • Beitrag zur Entwicklung zukünftiger Markt- und Prozessdesigns

Status und Ausblick

DataFleX befindet sich aktuell in der Pilotierungsphase mit großskaligen Tests in zwei Modellregionen. Weitere Anlagen und Funktionen werden schrittweise integriert. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für den breiteren Rollout von Redispatch 3.0 dienen und in zukünftige regulatorische und technische Entwicklungen einfließen.

 

DataFleX zeigt, wie tausende dezentrale Flexibilitäten gemeinsam für das Stromsystem nutzbar gemacht werden.

DA/RE

Die Plattform DA/RE (Datenaustausch/Redispatch) übernimmt zentrale Aufgaben wie Fahrplanmanagement, Datenaustausch und Abrechnung und entlastet Netzbetreiber bei der Umsetzung der komplexen Redispatch-Prozesse. Mit der DA/RE-Bilanzierung erweitert TransnetBW die Plattform DA/RE um eine zentrale Funktion im Redispatch: den energetischen Ausgleich bei Eingriffen ins Stromsystem. Wird eine Anlage abgeregelt, sorgt DA/RE dafür, dass die fehlende Energie beschafft und bilanziell korrekt zugeordnet wird.

Welche Flexibilität wird hier genutzt?

DA/RE selbst erzeugt keine Flexibilität, sondern macht sie nutzbar. Im Fokus stehen alle Anlagen im Redispatch, von klassischen Erzeugern bis zu kleineren, dezentralen Anlagen und perspektivisch auch Verbrauchern wie Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen. Erst durch die korrekte Bilanzierung können diese Flexibilitäten systemdienlich eingesetzt und in den Netzbetrieb integriert werden.

So funktioniert’s

Wird eine Redispatch-Maßnahme ausgelöst und beispielsweise ein Windpark abgeregelt, startet über DA/RE automatisch der Bilanzierungsprozess: Durch die Abregelung fehlt dem Vermarkter des Windparks die eingespeiste Energie, die er bereits an der Börse verkauft hat. Per Gesetz ist der Netzbetreiber verpflichtet, ihm die fehlende Energie in seinen Bilanzkreis zu leiten, damit der Verkauf an der Börse aus bilanzieller Sicht „gedeckt“ ist. Der benötigte bilanzielle Ausgleich wird auf Initiative von DA/RE beschafft und über Fahrpläne in den passenden Bilanzkreis überführt. Nach Bestätigung durch alle Beteiligten stellt die DA/RE-Plattform Daten für die Abrechnung bereit. DA/RE koordiniert dabei alle Schritte im Hintergrund und verbindet die verschiedenen Systeme zu einem durchgängigen Prozess.

Nutzen

Für das Stromsystem:

  • Sicherer und standardisierter bilanzieller Ausgleich
  • Skalierbare Umsetzung von Redispatch mit vielen dezentralen Anlagen
  • Grundlage für die Integration neuer Flexibilitäten

Für weitere Akteure:

  • Entlastung von Netzbetreibern bei komplexen Prozessen
  • Kein eigener Aufbau von Handels- und Bilanzierungssystemen notwendig
  • Einheitliche und effiziente Abwicklung für alle Beteiligten

Status und Ausblick

Nach ersten erfolgreichen Tests – unter anderem im Projekt OctoFlexBW – wird die vollständige Umsetzung aktuell weiterentwickelt und mit Partnern erprobt. Mit der Einführung des sogenannten Planwertmodells ab 2027 wird die Bilanzierungsfunktion DA/RE um einen weiteren zentralen Baustein für die Umsetzung  der Redispatch-Aufgaben für Netzbetreiber sein. Zusätzlich kommt die Entwicklung einer sauberen Bilanzierung auch der Einbindung weiterer Flexibilitäten (Stichwort Redispatch 3.0) ins Engpassmanagement über DA/RE zugute.

Die DA/RE-Bilanzierung sorgt dafür, dass Flexibilität im Stromsystem nicht nur genutzt, sondern auch zugeordnet werden kann.

liVe – Limitierte Vermarktung

Durch den Ausbau und die unkontrollierte Einspeisung von erneuerbaren Energien sind die Strompreise in Deutschland immer häufiger stark negativ – ein deutliches Signal, dass ein Teil des Stroms nicht benötigt wird. TransnetBW hat deshalb erstmalig Anlagen marktbedingt zur Abregelung angewiesen. Die Grundlage dafür schafft die sogenannte limitierte Vermarktung (liVe), eine neue regulatorische Anforderung. Diese zielt darauf ab, dass Anlagen in der EEG-Einspeiseförderung in den Markt integriert werden und das Risiko von Erzeugungsüberschüssen im Stromsystem vermindert wird. Es werden Markt- und Netzanforderungen besser miteinander verzahnt.

Welche Flexibilität wird hier genutzt?

Im Mittelpunkt steht die Flexibilität auf der Erzeugungsseite. Konkret die Möglichkeit, Einspeisung situativ zu reduzieren. Neu ist, dass diese Steuerung nicht primär netzgetrieben, sondern marktbasiert erfolgt: Anlagen reagieren indirekt auf Preissignale. Damit wird erneuerbare Erzeugung erstmals systematisch an Marktbedingungen angepasst und gezielt flexibilisiert.

So funktioniert’s

TransnetBW ist als ÜNB für die Vermarktung von Strom aus Anlagen in der Einspeisevergütung in ihrer Regelzone verantwortlich. Ergeben sich am Day-Ahead-Markt stark negative Preise, werden nicht vermarktete EE-Mengen an DA/RE, der TransnetBW-eigenen Softwareplattform, gemeldet. Die dafür notwendigen Daten werden in der Plattform aggregiert, sodass DA/RE gezielt Anlagen auswählt und über die bestehenden Redispatch-Prozesse zur Abregelung anfordert. Die Steuerung erfolgt über die Verteilnetzbetreiber, während sichergestellt wird, dass für Anlagenbetreiber kein Nachteil aus der Reduzierung entsteht.

Nutzen

Für das Stromsystem:

  • Reduzierung von Erzeugungsüberschüssen
  • Entlastung der Systembilanz bei negativen Preisen
  • Bessere Verzahnung von Markt und Netzbetrieb

Für weitere Akteure:

  • Höhere Vermarktungserlöse und geringere Kosten der Energiewende
  • Klare und einheitliche Prozesse für Marktteilnehmer
  • Faire Kompensation für betroffene Anlagen

Status und Ausblick

Die limitierte Vermarktung ist bereits im produktiven Einsatz und wurde erstmals im Frühjahr 2026 angewendet. Künftig soll der Prozess weiter optimiert und stärker mit Redispatch-Maßnahmen verzahnt werden. Voraussetzung für die Weiterentwicklung bleibt eine bessere Steuerbarkeit der Anlagen sowie passende regulatorische Rahmenbedingungen.

LiVe macht erneuerbare Erzeugung flexibel, indem sie sich erstmals systematisch an Marktbedingungen ausrichtet.

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