Die Haupt­schalt­leitung in Wendlingen

Die Haupt­schalt­leitung in Wendlingen

Wir haben die Energiewende auf dem Schirm

Die Art wie wir Strom erzeugen und nutzen, verändert sich vor allem im Angesicht des größten deutschen Umweltprojektes: der Energiewende. Erneuerbare Energien unterliegen den geografischen Gegebenheiten unseres Landes sowie den Wind- und Wetterbedingungen. Daher investieren wir unter anderem in den Netzausbau sowie in neue Technologien. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, bedarf es auch eines Kontrollzentrums, das diesen Anforderungen gerecht wird und die flexible Steuerung komplexer Netze ermöglicht: die Hauptschaltleitung in Wendlingen. Sie gehört zu den modernsten ihrer Art in ganz Europa.

Im Herzen des Übertragungsnetzes

Rund um die Uhr führen die Systemführungsingenieure von Wendlingen aus das Übertragungsnetz der TransnetBW und stellen das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch in unserem Netzgebiet sicher. Die Netzfrequenz von 50 Hertz ist dabei immer stabil zu halten – egal wie stark der Wind weht oder die Sonne auf die Fotovoltaikanlagen scheint.

Fläche des versorgten Gebiets 34.600 km²
Einwohner 11 Mio.
Warte 440m²
jährlicher Brutto-Stromverbrauch in Baden-Württemberg 74 TWh
Stromkreislänge 220 kV und 380 kV 3.200 km
Laser-Großbild­projektion 65 m²
  • Netzbild

    Unser Energieuniversum auf einen Blick: Anzeige und Überwachung des u. a. Schaltzustands, der Spannung, der Leistungsflüsse oder der Auslastung des Netzes.

  • EAS European Awareness System

    Dieses System unterstützt die reibungslose Zusammenarbeit unserer Kollegen mit den Übertragungsnetzbetreibern im In- und Ausland. So können der ganzheitliche Netzzustand überwacht, die Frequenz und Austauschleistung beobachtet und aufkommende Probleme schnellstmöglich erkannt werden.

  • Geografische Karte Baden-Württembergs

    Geografischer Überblick über unser Netz mit aktuellen Austauschleistungen mit den benachbarten nationalen und internationalen Übertragungsnetzbetreibern.

  • Systembilanz

    Übersicht zum aktuellen Stand der Sollfrequenz, der Austauschleistung, des Sollaustauschs und der Last des Im- und Exports der Regelzone.

  • Kraftwerks-Erzeugung

    Analysewerkzeug zur Einspeisung erneuerbarer Energien in Deutschland und in unserer Regelzone sowie der eingespeisten Wirk- und Blindleistung konventioneller Kraftwerke.

  • Fotovoltaik- und Wind-Einspeisung

    Überblick der Vortagsprognose und Live-Werte.

  • Korrekturwerte aus dem internationalen Netzregelverbund

    Verlauf der Korrekturwerte aus dem Netzregelverbund, der International Grid Cooperation (IGCC) und der europäischen Partner.

  • Lastverläufe

    Auskunft über die Regelzonen-Last, die vertikale Netzlast und die dezentrale Einspeisung in unsere Regelzone – für den aktuellen Tag, den Vortag sowie die vorige Woche.

  • Netzregelverbund (NRV / IGCC)

    Darstellung der Regelbandgrenzen und des Bedarfs für Sekundärregelleistung in Deutschland und des Bedarfs der TransnetBW.

  • Leistungs-Frequenzregelung

    Übersicht der aktuellen Frequenz, der Leistungsabweichung und der Netzregelfehler in unserer Regelzone.

  • Network Operation Centre

    Die Hauptschaltleitung ist mit einer hochverfügbaren IT-Struktur und modernster Technik ausgestattet. Dazu gehören auch eigene Kommunikationsverbindungen, auf denen Daten auf getrennten Wegen und über unterschiedliche Geräte übertragen werden. Die Experten aus diesem Bereich überwachen die verschiedenen Verbindungen rund um die Uhr und stellen ihre Funktionsfähigkeit sicher.

  • Betriebsplanung

    Die nationale und internationale Koordination der Netzsicherheit obliegt der Betriebsplanung. Hauptwerkzeug hierfür ist ein internationaler Verbund verschiedener Übertragungsnetzbetreiber. In enger Zusammenarbeit – und doch in dezentraler Eigenverantwortung – versorgen die Mitglieder aus zehn Ländern, auf einer Fläche von 1,13 Millionen km², rund 185 Millionen Menschen sicher mit Strom.

  • Netzführung

    Die Netzführung steuert und überwacht das Netz. Um dessen Sicherheit zu gewährleisten folgen die Kollegen dem Prinzip des „n – 1 Kriterium“. Es bestimmt, dass ein beliebiges Netzbetriebsmittel – etwa eine Stromleitung oder ein Transformator – jederzeit ausfallen kann, ohne dass die Versorgung unterbrochen wird oder die Störung sich ausweitet.

  • Systembilanz

    Der Bereich Systembilanz verantwortet unter anderem das Fahrplanmanagement sowie die Leistungs-Frequenz-Regelung im deutschen Netzregelverbund. Dafür werden sogenannte Energiefahrpläne aufgestellt, die definieren, wie die einzelnen Regelzonen interagieren müssen, um die Netzfrequenz von 50 Hertz zu halten.

  • Küche

    Die Arbeit in der Hauptschaltleitung erfordert viel Konzentration. Daher ist manchmal auch eine Pause nötig. Hier in der Küche können sich unsere Mitarbeiter stärken – außer der Gong ertönt – das bedeutet, dass es zu einem ungewollten Ereignis im Netz gekommen ist. Dann heißt es: Das Essen muss warten. Zuerst muss die Stromversorgung wiederhergestellt werden.

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Hier steuern wir das gesamte Netz und überwachen Wind und Wetter

Alles unter Kontrolle – seit über fünf Jahrzehnten

Vom einfachen Meldebild zur Laser-Großbildprojektion: Die Geschichte der Hauptschaltleitung in Wendlingen ist auch eine des technischen Fortschritts. In über fünf Jahrzehnten wurde die Hauptschaltleitung mehrmals erneuert oder vollständig neu gebaut. Immer mit dem Ziel, eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten.

1962 / 2017
  • 1961

    Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt der Stromverbrauch stark an. Die Anforderungen an die Lastverteilung ändern sich. Der damalige Netzbetreiber Energieversorgung Schwaben entschließt sich deshalb für den Bau einer neuen Lastverteilung in Wendlingen.

  • 1962

    Am 29. September tritt die erste Frühschicht Ihren Dienst in der neuen Lastverteilung an. Schon damals hatte die Lastverteilung zwei Arbeitsplätze und ein großes Meldebild, auf dem die Kraft- und Umspannwerke sowie die Stromkreise schematisch dargestellt waren. Die Lastverteilung und Netzsteuerung des 110-kV und 220-kV-Netzes wird zu dieser Zeit nur mit telefonischen Schaltanweisungen durchgeführt.

  • 1974

    Die Entwicklung des Netzes schreitet schneller voran als gedacht: Der erste Abschnitt des 380-kV-Netzes wird in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt sind die technischen Möglichkeiten zur Netzsteuerung bereits ausgeschöpft. Die Energieversorgung Schwaben beschließt daher die Neuorganisation und Automatisierung des Netzbetriebes. Auf dem Gelände in Wendlingen wird eine neue Hauptschaltleitung geplant.

  • 1977

    Aufgrund der Modernisierung wird die Lastverteilung in eine Übergangswarte verlegt. Um die Hauptschaltleitung während des Umbaus zu entlasten, übernehmen die Steuerung des 110-kV-Netzes die kleineren Schaltstellen und Schaltleitungen.

  • 1980

    Nach drei Jahren Umbau wird am 23. Mai 1980 die neue Hauptschaltleitung in Betrieb genommen. Die Lastverteilung konzentriert sich von nun an auf den Einsatz der Kraftwerke der Energieversorgung Schwaben und die Steuerung des 220- und 380-kV-Netzes.

  • 1984

    Erstmals wird ein Prozessdatenverarbeitungssystem zur Überwachung der Schaltzustände eingesetzt. Das bedeutet, das Höchstspannungsnetz wird mit einem Prozessrechner von Wendlingen aus per Fernsteuerung direkt gesteuert – und nicht mehr wie zuvor mit dem Telefon in Verbindung mit den Schaltstellen vor Ort.

  • 1990

    Inbetriebnahme der Leistungs-Frequenz-Regelung durch die Energieversorgung Schwaben.

  • 1990 - 1998

    Nach der Liberalisierung des Strommarktes fusionieren Energieversorgung Schwaben und Badenwerk zur EnBW. Die EnBW Transportnetze AG wird gegründet und die Hauptschaltleitung in Wendlingen übernimmt die Aufgabe der Systemführung. Die Aufgabe des Kraftwerkseinsatzes wird von der EnBW Kraftwerksgesellschaft übernommen. Die Größe des Netzes verdoppelt sich und von Wendlingen aus wird jetzt die Stromversorgung in ganz Baden-Württemberg überwacht. Außerdem wird die Hauptschaltleitung modernisiert. Nach einem rein tastengesteuerten System arbeiten die Ingenieure nun mit Computern mit grafischer Benutzeroberfläche.

  • 1998 - 2001

    Modernste IT-Technik wird verbaut und die Meldetafel durch eine Großbildleinwand ersetzt. Anfang 2000 geht die neue Warte in Wendlingen in Betrieb. Die Datenübernahme aus der Hauptschaltleitung der Badenwerg AG in Daxlanden dauert nochmals 1,5 Jahre – erst dann ist die Zusammenführung der Netze von Badenwerk AG und Energieversorgung Schwaben abgeschlossen. Mit der Integration der Neckarwerke Stuttgart AG in den EnBW Konzern wird in einem letzten Schritt auch die Steuerung des Übertragungsnetzes der Neckarwerke Stuttgart übernommen.

  • 2012

    Einbau eines dritten, ständig besetzen Arbeitsplatzes in die Warte der Hauptschaltleitung in Wendlingen. Zusätzlich zu den Arbeitsplätzen für die Netzführung und die Systembilanz wird der Betriebsplaner in die bestehende Warte integriert. Der Betriebsplaner übernimmt die neue Aufgabe der regionalen Koordination des Netzbetriebs im Kreis der sogenannten TSO Security Cooperation, einer Kooperation zwischen europäischen Übertragungsnetzbetreibern zur besseren Abstimmung ihrer Arbeit.

  • 2015

    Wachsende Anforderungen an die Systemführung des Übertragungsnetzbetreibers bedingt durch die Energiewende, höhere Anforderungen an die technische Infrastruktur und Sicherheit können in der bestehenden Hauptschaltleitung nicht mehr abgebildet werden. Eine Umrüstung wäre aber nicht genug – deshalb erfolgt der komplette Neubau auf dem Gelände in Wendlingen.

  • 2017

    Die neue Hauptschaltleitung wird fertiggestellt. Ausgestattet mit modernster Technik und damit gerüstet für die Herausforderungen des Netzbetriebs in Zeiten der Energiewende wird von der neuen Warte aus die Sicherheit der Stromversorgung in Baden-Württemberg gewährleistet. Die enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Nachbarn sowie die häufige Durchführung von Netzsicherheitseingriffen bestimmen den täglichen Betrieb.

Unser Einsatz für ein rundum sicheres Netz

Rainer Joswig begleitet die Entwicklung der Hauptschaltleitung seit Jahrzehnten. Der Neubau in Wendlingen 2017 ist dabei ein wichtiger Schritt für eine sichere Energieversorgung in Zukunft - und damit auch für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Energielandschaft verändert sich durch die Energiewende stark. In unserer Hauptschaltleitung sorgen wir dafür, dass die Versorgung in Deutschland und in Europa sicher bleibt – auch wenn die Anforderungen an die Netzführung täglich steigen.

Die Energielandschaft verändert sich durch die Energiewende stark. In unserer Hauptschaltleitung sorgen wir dafür, dass die Versorgung in Deutschland und in Europa sicher bleibt – auch wenn die Anforderungen an die Netzführung täglich steigen.