Presse­information

16. April 2014

Netzentwicklungsplan 2014: Netzausbau für die Energiewende

  • Übertragungsnetzbetreiber übergeben ersten Entwurf von NEP und Offshore-NEP 2014 an Bundesnetzagentur
  • Konsultation läuft bis 28. Mai 2014
  • Genereller Netzausbaubedarf, speziell in Nord-Süd-Richtung, bleibt auch bei aktuellen Zielen der EEG-Reform bestehen
  • Bundesbedarfsplan-Projekte bleiben robuster Kern für Netzausbau
  • Gleichstromkorridore auch bei reduzierten Offshore-Ausbauzielen und Einspeisemanagement von erneuerbaren Energien weiterhin notwendig

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben heute den ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2014 und des Offshore-Netzentwicklungsplans (Offshore-NEP) 2014 an die Bundesnetzagentur übergeben und auf www.netzentwicklungsplan.de veröffentlicht. Während der heute beginnenden Konsultation beider Pläne können alle Interessierten sechs Wochen lang bis zum 28. Mai 2014 Stellungnahmen abgeben. Rückmeldungen aus der Konsultation fließen in den zweiten Entwurf des NEP und des Offshore-NEP ein.

Die Übertragungsnetzbetreiber haben in diesem Jahr neben der Erstellung des NEP und Offshore-NEP auch Sensitivitätsanalysen vorgenommen. Diese Analysen liefern Hinweise darauf, ob und welche Auswirkungen auf den Netzausbaubedarf eine Deckelung von Ausbauzielen der Offshore-Windkraft und eine zeitweise Reduzierung der Einspeiseleistung (Einspeisemanagement) bei neuen Windenergieanlagen an Land haben. Diese Sensitivitätsberechnungen setzen auf dem Szenario A 2024 auf, das mit seinen Prognosen zu Erzeugung und Verbrauch den neuen EEG-Erzeugungszielen der Bundesregierung nahe kommt. Um eine umfänglichere Interpretationsmöglichkeit der Ergebnisse des NEP und des Offshore-NEP zu bieten, veröffentlichen die Übertragungsnetzbetreiber beide Pläne zeitgleich mit dem Sensitivitätsbericht.

Bundesbedarfsplan: Robuster Kern für den Netzausbau

In allen sowohl im Netzentwicklungsplan als auch in den Sensitivitätsanalysen betrachteten Erzeugungs- und Verbrauchsszenarien haben der Ausbau der Windkraft sowie die zurück gehende Erzeugungsleistung in Süddeutschland den stärksten Einfluss auf den überregionalen Übertragungsbedarf in Nord-Süd-Richtung. Nach erster Einschätzung der Übertragungsnetzbetreiber ist damit bei Einhaltung der Rahmendaten aus dem aktuellen EEG-Kabinettsbeschluss keine signifikante Reduzierung im Netzausbaubedarf an Land zu erwarten. Die im Bundesbedarfsplangesetz ausgewiesenen Netzausbaumaßnahmen sind somit als geeigneter, robuster Kern des zukünftig benötigten Netzausbaus bestätigt. Damit bleiben auch die aktuell im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Gleichstrompassagen notwendig. Insgesamt ist festzustellen, dass der Netzausbaubedarf grundsätzlich bestehen bleibt und es allenfalls zu einer zeitlichen Streckung kommt.

Die Berechnungen der Sensitivitätsanalysen stützen dieses Ergebnis: Bei einer gegenüber dem Szenario A 2024 um 1,6 Gigawatt reduzierten Offshore-Leistung zeigen sie einen gleichbleibenden Übertragungsdarf aller Gleichstromkorridore von insgesamt zehn Gigawatt. Hier und auch bei einer Einbeziehung neuer Onshore-Windenergieanlagen in ein Einspeisemanagement bleiben alle Gleichstromkorridore notwendig. Die Offshore-Deckelung und das Einspeisemanagement sind aber Stellschrauben, die Auswirkungen auf den Netzausbaubedarf haben. Die Sensitivitätsanalysen zeigen, dass bei beiden Sensitivitäten kombiniert 17 Maßnahmen, die jedoch nicht im Bundesbedarfsplan enthalten sind, gegenüber dem Ausgangsnetz aus dem Szenario A im Jahr 2024 noch nicht notwendig wären.

Netzausbaubedarf

Die Berechnungen des NEP 2014 zeigen, dass sich im Szenario A 2024 die notwendigen Netzverstärkungen auf Bestandstrassen (Umbeseilung oder Stromkreisauflagen, Neubau einer leistungsfähigeren Leitung in bestehenden Trassen) auf rund 5.300 km belaufen. Der Ausbaubedarf neuer Leitungstrassen liegt in diesem Szenario bei 3.500 km, davon ca. 2.000 km Gleichstromkorridore. Zum Vergleich: Das Volumen des gesamten heutigen Höchstspannungsnetzes in Deutschland liegt bei rund 35.000 km.

Der Ausbaubedarf des Offshorenetzes liegt im Szenario A bei 160 km und 3,7 Gigawatt. Die Anfang 2014 bestätigten Maßnahmen des Offshore-Netzentwicklungsplans 2013 sind nach wie vor erforderlich. Der Vergleich der Ergebnisnetze der Offshore-Netzentwicklungspläne 2013 und 2014 zeigt, dass die Notwendigkeit von Ausbaumaßnahmen auch bei einer Reduzierung der Ausbauziele im Szenariorahmen langfristig gesehen nicht abnimmt, sondern lediglich zeitlich gestreckt wird. Die geplante Neujustierung des EEG bedeutet keine grundsätzliche Umkehr, sondern vielmehr eine zeitliche Streckung der Entwicklung einzelner Erzeugungsarten wie der Offshore-Windkraft. Dadurch verschieben sich einige Netzentwicklungsmaßnahmen ebenfalls zeitlich etwas nach hinten, ohne deswegen obsolet zu werden.

Der Netzausbau ist nicht nur elementare Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Sein Tempo bestimmt auch das Tempo der Energiewende. Wenn er weiterhin hinter der Ausbaugeschwindigkeit der erneuerbaren Erzeugungsanlagen zurückbleibt, sind die Ziele der Energiewende und die Versorgungssicherheit gefährdet.

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