Seiltausch Höllental

projektporträt

Die 220-kV-Freileitung LA5120 zwischen Eichstetten und Gurtweil ist seit vielen Jahrzehnten in Betrieb. Nach nahezu 70 Jahren haben die Leiterseile an der Leitungsanlage 5120, die aus den 1950er und 1960er Jahren stammen, das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Um die Versorgungssicherheit auch künftig zu gewährleisten, tauscht TransnetBW die Leiterseile aus.

Hintergrund

Für den Austausch gibt es mehrere Gründe:

  1. 1. Materialermüdung und mechanische Belastung

    Leiterseile bestehen meist aus Aluminium oder einer Aluminium-Stahl-Kombination. Durch langjährige mechanische Belastungen – etwa durch Wind oder Schwingungen – sowie thermische Belastungen infolge von Temperaturänderungen verschleißt das Material. Diese Materialermüdung kann die Seile schwächen und das Risiko eines Seilbruchs erhöhen. Zudem belasten Naturereignisse wie Stürme oder Eis die Leiterseile dauerhaft oder können sie beschädigen. 

  2. 2. Korrosion

    Witterungseinflüsse wie Regen, Schnee, UV-Strahlung und Luftfeuchtigkeit können insbesondere bei älteren Leiterseilen zu Korrosion führen. Mit zunehmendem Alter nutzen sich Schutzschichten ab und Materialermüdung kann fortschreiten, wodurch die Seile anfälliger für Korrosion werden. Dadurch werden die Seile geschwächt und ihre elektrischen Eigenschaften beeinträchtigt. 

  3. 3. Leitfähigkeit

    Mit zunehmendem Alter beeinträchtigen Verschleiß und Ablagerungen die Leistungsfähigkeit der Leiterseile. Dadurch sinken die Effizienz und Zuverlässigkeit der Stromübertragung. 

    Auch bei der Stromleitung LA5120 haben einzelne Leiterseile aus den genannten Gründen das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Ihr Austausch ist daher eine wichtige Voraussetzung für eine weiterhin sichere und zuverlässige Energieübertragung.

  4. Ziel

    Als Übertragungsnetzbetreiber hat TransnetBW gemäß § 11 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) die Verpflichtung, ein sicheres und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz in ihrem Verantwortungsgebiet zu betreiben, instand zu halten und bedarfsgerecht auszubauen. Diesem Auftrag kommt TransnetBW mit dem Seiltausch der Leitungsanlage 5120 an der Trasse zwischen Eichstetten und Gurtweil nach.

  5. Trassierung

    Die bestehende Leitung führt durch die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und Waldshut. Die folgenden Gemeinden sind betroffen: 

    Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald: March, Heuweiler, Gundelfingen, Stegen, Buchenbach, Breitnau, Titisee-Neustadt, Lenzkirch, Schluchsee

    Im Landkreis Emmendingen: Teningen, Vörstetten, Denzlingen

    Im Landkreis Waldshut: Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf, Weilheim (Baden)

    Die Trasse bleibt in ihrer Lage vollständig erhalten. An den Maststandorten wird sich voraussichtlich nichts ändern. 

Der Projektraum im Überblick

Technischer Ablauf


Die Seile werden abschnittsweise ausgetauscht. Der Ablauf gliedert sich in folgende Schritte:
 

1. Baustelleneinrichtung

Für den Seilzug werden temporäre Arbeits‑ und Bewegungsflächen für Maschinen, Fahrzeuge und Montagearbeiten benötigt. Um dabei den Boden und die bestehende Infrastruktur zu schützen, werden Stahl- oder Holzplatten ausgelegt und Gerüste errichtet. Das kann etwa über Straßen oder Bahngleise erforderlich sein.

2. Sicherung des Abspannfeldes

Leiterseile werden innerhalb eines Abspannfeldes getauscht. Zunächst sichert TransnetBW Maste und Maschinen mit Hilfe von Auflast‑ und Bodenankern. 

3. Abzug des alten Leiterseils

Das alte Seil wird in Rollen eingehängt, damit es sich kontrolliert demontieren lässt. Beim Abziehen sorgen eine Windebremse dafür, dass das Seil unter Spannung bleibt und kontrolliert wird. Ein Haspelbock übernimmt das geordnete Aufrollen des alten Seils.  

4. Erneuerung der Isolatorenketten

An den unbeseilten Masten montiert TransnetBW im nächsten Schritt die neuen Isolatorenketten. Sie bilden die stabile Tragekonstruktion für die neuen Leiterseile und verhindern, dass Strom von den Leitungen auf die Masten überschlagen kann.

5. Vorbereitung des Seilzugs

Beim Seiltausch setzt TransnetBW zunächst ein leichtes Vorseil ein, das zwischen den bestehenden Masten entlang der Freileitung eingehängt wird. Je nach Gelände erfolgt dies vom Boden aus, per Drohne oder in großen Spannfeldern und umwegsamen Gelände mithilfe eines Hubschraubers.

6. Einzug und Montage des neuen Seils

Das Vorseil wird anschließend schrittweise durch stärkere Seile ersetzt, bis ausreichend Zugkraft vorhanden ist, um das neue, schwere Leiterseil über die Montagerollen an den Masten einzuziehen. Das Vorseil und alle folgenden Seile werden über einen Trommelbock abgewickelt und mithilfe von Windebremsen auf beiden Seiten kontrolliert in die Rollen gezogen.

7. Finale Installation

Das neue Leiterseil wird gespannt und anschließend an den Isolatorenketten montiert. Danach entfernen die Freileitungsmonteurinnen und -monteure die Rollen und bringen das erforderliche Zubehör, Bündelabstandshalter, Vogelmarker und Flugwarnkugeln wieder an. Damit ist die Leitung vollständig montiert und wieder betriebsbereit.

8. Wiederherstellung der Flächen

Am Ende der Arbeiten baut TransnetBW die Baustelle zurück und versetzt den Boden bei Bedarf in seinen ursprünglichen Zustand. Die neuen Leiterseile transportieren wieder für viele Jahrzehnte sicher und zuverlässig Strom.

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