09. Juni 2026
Freileitungsvorrang konsequent umsetzen: Breites Bündnis fordert Nachbesserungen am Bundesbedarfsplangesetz

- Ausnahmen von Freileitungsvorrang gefährden Kosteneffizienz und beschleunigten Netzausbau
- Eine Kombination aus Freileitung und Erdverkabelung im selben Vorhaben ist nicht sinnvoll
- Offener Brief an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke
Stuttgart. Mehrere Akteure aus der Energiewirtschaft haben sich in einem Offenen Brief an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen gewandt und eine konsequente Umsetzung des im Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes vorgesehenen Freileitungsvorrangs für neue Gleichstromverbindungen gefordert. Dabei bezieht sich die Forderung insbesondere auf die Vorhaben DC42 und DC42plus (SuedWestLink) und nicht auf bereits planfestgestellte oder im Bau befindliche Projekte. Die Grundentscheidung für Freileitungen wird ausdrücklich begrüßt, jedoch drohen die vorgesehenen Ausnahmeregelungen aus Sicht der Unterzeichner die intendierte Wirkung zu konterkarieren.
„Die nun im Gesetzentwurf enthaltenen Einschränkungen des Freileitungsvorrangs schaffen Unsicherheiten und würden die Projektumsetzung erschweren. Eine Kombination von Freileitung und Erdverkabelung bei einem Vorhaben ist nicht sinnvoll – weder bei Planung und Genehmigung noch bei Bau und Betrieb der Stromleitung,“ zeigt sich Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW, überzeugt.
Neben dem baden-württembergischen Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW haben die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und TenneT Germany sowie der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e. V., DIE FAMILIENUNTERNEHMER e. V., der VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V., die Wirtschaftsvereinigung Stahl und die Wirtschaftsvereinigung der Grünen den Offenen Brief unterzeichnet.
Der Gesetzentwurf verfolgt das Ziel, den Stromnetzausbau schneller und kosteneffizienter umzusetzen. Dabei soll der Bau neuer Gleichstromtrassen künftig vorrangig als Freileitung erfolgen, um die Kosten zu senken, die Planung zu vereinfachen und die Fertigstellung der Leitungen zu beschleunigen.
Ausnahmen gefährden Beschleunigung des Netzausbaus
Die Unterzeichner des Offenen Briefes weisen darauf hin, dass die im Entwurf vorgesehenen Ausnahmen den Freileitungsvorrang faktisch aufweichen. Insbesondere hybride Lösungen mit einem Wechsel zwischen Erdverkabelung und Freileitung innerhalb eines Projekts würden zusätzliche Planungsaufwände erzeugen, zu langwierigen Diskussionen mit den betroffenen Regionen führen und dadurch Genehmigungsverfahren verlängern. Eine klare und konsistente Technologiefestlegung ist daher aus Sicht der Unterzeichner eine zentrale Voraussetzung für einen beschleunigten und kosteneffizienten Netzausbau.
Freileitungen bieten klare Vorteile bei Kosten, Betrieb und Systemstabilität
Freileitungen sind eine etablierte und bewährte Technologie im Höchstspannungsnetz. Sie sind in Deutschland seit Jahrzehnten im Einsatz und weisen eine hohe technische Zuverlässigkeit auf. Zugleich bestehen deutliche wirtschaftliche Unterschiede: Die Investitionskosten sind bei Freileitungen im Vergleich zu Erdkabeln mindestens um die Hälfte geringer. Außerdem lassen sich Freileitungen schneller bauen als Erdkabel, so dass eine frühere Fertigstellung perspektivisch die Aufwendungen für das Netzengpassmanagement senken würden.
Auch im Betrieb zeigen sich Unterschiede: Während Erdkabel weniger äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, können Störungen bei Freileitungen in der Regel deutlich schneller behoben werden, was sich positiv auf die Verfügbarkeit des Systems auswirkt. Darüber hinaus verfügen Freileitungen über eine längere Nutzungsdauer: Sie werden üblicherweise auf eine Lebensdauer von rund 80 Jahren ausgelegt, während Erdkabel nach etwa 40 Jahren erneuert werden müssen.
Stimmen aus dem Kreis der Unterzeichner
Robert Busch, Geschäftsführer, Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne):
„Energieinfrastruktur ist eine Investition für Generationen. Statt NIMBY-Haltung braucht es politische Verantwortung für das Gesamtsystem und einen verantwortungsvollen Blick auf die Bau- und Unterhaltskosten der folgenden Generationen. Der Freileitungsvorrang ist dafür die effizienteste und kostengünstigste Lösung.“
Robin Morgenstern, Landesvorsitzender, Die Familienunternehmer in Baden-Württemberg:
„Über Jahre hat die Energiepolitik die Kosteneffizienz aus dem Blick verloren – zulasten der Unternehmen. Heute sind die Netzentgelte ein massiver Kostenblock für das produzierende Gewerbe. Umso wichtiger ist es, am Freileitungsvorrang festzuhalten und konsequent alle Möglichkeiten zur Kostensenkung auszuschöpfen.“
Martin Kaul, Hauptgeschäftsführer, Wirtschaftsvereinigung der Grünen e. V.:
„Niedrige Strompreise, rascher Netzausbau – nur so schaffen wir die Energiewende. Freileitungen können hier ein Beitrag sein. Für unsere Wirtschaft, für den Industriestandort, gegen Klimarisiken.“
Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer, VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V.:
„Steigende Netzentgelte schaden zunehmend der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland. Wer die Energiewende bezahlbar gestalten will, muss daher konsequent auf kosteneffiziente Lösungen setzen. Der Verzicht auf die unnötig teure Erdverkabelung zählt dabei zu den Low-Hanging Fruits.“
Hintergrund: Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes
Das Bundesbedarfsplangesetz legt fest, welche Netzausbauvorhaben in Deutschland energiewirtschaftlich notwendig sind. Darüber hinaus wird im Gesetz festgelegt, in welcher Technologie (Erdkabel/Freileitung) die Vorhaben umgesetzt werden sollen. Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung wird in dieser Woche im Bundestag debattiert.
Der Offene Brief zum Freileitungsvorrang im Rahmen des Bundesbedarfsplangesetzes ist hier abrufbar: https://www.transnetbw.de/offener-brief-freileitungsvorrang
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