380-kV-Netzverstärkung Eichstetten – Bundesgrenze Frankreich

Netzverstärkung

Die TransnetBW GmbH betreibt das Übertragungsnetz in Baden-Württemberg. Mit diesem Transportnetz sichert sie die Stromversorgung in der Region, in Deutschland und in Europa. Um den gesteigerten Anforderungen im Rahmen der Energiewende zu entsprechen, sind Anpassungen im Höchstspannungsnetz erforderlich – beispielsweise durch Netzverstärkungen.

Netzverstärkung bezeichnet Maßnahmen, wie den Austausch von Betriebsmitteln gegen leistungsstärkere Komponenten, zum Beispiel die Zu- und Umbeseilung von Stromkreisen, die Erweiterung bestehender Umspannwerke und Schaltanlagen sowie den Neubau von Leitungen in bestehenden Trassen.

Damit die Netzverstärkung möglichst schonend für Mensch und Natur realisiert werden kann, wird die Freileitung zwischen Eichstetten und der Bundesgrenze (FR) weitestgehend in der bestehenden Freileitungstrasse verlaufen. Der Ersatzneubau findet abschnittsweise statt. Dabei wird jeweils ein kleiner Abschnitt der Bestandsleitung neu errichtet und nach Fertigstellung wieder in Betrieb genommen. Dadurch wird die Dauer der Abschaltungen des Stroms reduziert und der südwestliche Teil Baden-Württembergs sowie die französische Grenzregion weiterhin sicher mit Strom versorgt. Für den Ersatzneubau der 380-kV-Leitungsanlage werden sogenannte Tonnenmasten eingesetzt, die schmaler in ihrer Bauweise sind und daher weniger Platz benötigen.

Der Tonnenmast des Ersatzneubaus im Vergleich zum Donaumast der Bestandsleitung

Umgang mit Immissionen

Elektrische und Magnetische Felder

Freileitungen erzeugen elektrische und magnetische Felder. Ein elektrisches Feld entsteht, wenn Elektrogeräte (z. B. Haartrockner, Fernseher oder Bügeleisen) mit einem Kabel an das Stromnetz angeschlossen sind. Je höher die Spannung, desto größer ist auch das elektrische Feld. Das elektrische Feld einer 380-kV-Leitung bleibt konstant, unabhängig davon, wie viel Strom zwischen zwei Umspannwerken fließt.

Wenn ein elektrisches Gerät eingeschaltet wird, entsteht neben einem elektrischen auch ein magnetisches Feld. Die Stärke des magnetischen Feldes ist von der Auslastung der Freileitung abhängig. Elektrische und magnetische Felder nehmen mit größer werdendem Abstand von den Leiterseilen ab. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass bei neu errichteten Anlagen die Möglichkeiten zur Minimierung der elektrischen und magnetischen Felder nach dem Stand der Technik auszuschöpfen sind. TransnetBW plant die Verbindung von Eichstetten zur französischen Bundesgrenze so, dass gesetzliche Grenzwerte weiterhin nicht nur eingehalten, sondern unterschritten werden. Die Grenzwerte sind in der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung festgehalten und werden kontinuierlich vom Bundesamt für Strahlenschutz und von den Strahlenschutzkommissionen sowohl national als auch international bestätigt.

Geräusche

Bei feuchter Witterung und Niederschlag kann es zu Geräuschen an der Freileitung kommen. Ursache für das Knistern von Freileitungen sind sogenannte Korona-Entladungen. Ausgangspunkt dieser Entladungen sind Wassertropfen, die sich niederschlagsbedingt auf den Leiterseilen anlagern. Die Wahrnehmung der Geräusche ist individuell unterschiedlich und stark von den Wetter- und Umgebungsbedingungen abhängig. TransnetBW setzte in den letzten Jahren viel daran, technische Möglichkeiten zu finden, um das Knistern zu reduzieren. Möglich wird eine Minimierung der Geräusche durch einen anderen Aufbau des neuen 380-kV-Leiterseils. Dies führt dazu, dass die elektrische Feldstärke an der Oberfläche des Seils und damit auch die Korona-Entladung reduziert wird. Damit liegen die bei verschiedenen Wetter- und Umgebungsbedingungen auftretenden Geräusche unter dem in Deutschland in diesem Zusammenhang geltenden Grenzwert für Lärm von dauerhaften 60 Dezibel. Dieser Grenzwert ist in der sogenannten Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (kurz: TA Lärm) festgehalten.

Mensch und Natur

TransnetBW ist bestrebt, die Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Natur so gering wie möglich zu halten. Dabei hält das Unternehmen alle vorgegebenen Immissionsgrenzen sicher ein und kann diese meist sogar unterschreiten.

Im Rahmen der Planung ermitteln extern beauftragte Umweltgutachterinnen und Umweltgutachter im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung die Auswirkungen der Netzverstärkung auf verschiedene Schutzgüter. Schutzgüter sind

  • Menschen – insbesondere die menschliche Gesundheit,
  • Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt,
  • Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,
  • das kulturelle Erbe,
  • sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkung zwischen den genannten Schutzgütern.


Aus diesen Erkenntnissen werden Maßnahmen erarbeitet, wie die Auswirkungen vermieden oder minimiert werden können. Die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung sind Teil des Planfeststellungsverfahrens und werden von der BNetzA überprüft.

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