Grafenrheinfeld-kupferzell–großgartach

PROJEKTPORTRÄT

Das Vorhaben Nr. 20 aus dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPIG) „Höchstspannungsleitung Grafenrheinfeld – Kupferzell – Großgartach“ erstreckt sich über die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern und dient der Erhöhung der Übertragungskapazität in diesem Bereich. Es besteht aus den Maßnahmen Grafenrheinfeld – Kupferzell (Maßnahme 38a des Netzentwicklungsplans) und Großgartach – Kupferzell (Maßnahme 39 des Netzentwicklungsplans). Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Übertragungsnetzbetreiberinnen TenneT TSO GmbH (TenneT) und TransnetBW GmbH (TransnetBW). Das Vorhaben wurde für die Genehmigungsverfahren in drei Teilabschnitte eingeteilt:

  • Abschnitt 1: Grafenrheinfeld – Punkt Rittershausen (B125)
  • Abschnitt 2: Punkt Rittershausen – Kupferzell (LA 0348)
  • Abschnitt 3: Kupferzell – Großgartach (LA 0316)

Übersichtskarte


Gesamtmaßnahme

Das Gesamtvorhaben führt auf einer Strecke von insgesamt 150 km durch zwei Bundesländer und ist in der Anlage zum BBPlG als länderübergreifende Leitung gekennzeichnet, so dass es sich um eine länderübergreifende Höchstspannungsleitung i.S.d. § 2 Abs. 1 Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) handelt. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse liegt die Verantwortung für den Abschnitt 1 bei TenneT, für die Abschnitte 2 und 3 bei der TransnetBW. Diese beiden Abschnitte werden im Folgenden näher erläutert.

Umfang

Der Leitungsverlauf im Verantwortungsbereich der TransnetBW – von Großgartach über Kupferzell zum Punkt Rittershausen – hat eine Streckenlänge von circa 100 km und betrifft zwei Leitungsanlagen (LA):

  • Abschnitt 2: Punkt Rittershausen – Kupferzell (LA 0348)
    Geplante Maßnahme: Seilauflage
  • Abschnitt 3: Großgartach – Kupferzell (LA 0316)
    Geplante Maßnahme: Ersatzneubau

Ziel

Mit dieser Netzverstärkung auf 380 kV wird das Übertragungsnetz in der Region noch leistungsfähiger gemacht. Die Netzverstärkung geschieht nach dem NOVA-Prinzip. Daher beabsichtigt die TransnetBW, das Vorhaben weitestgehend in bestehender Trasse zu realisieren.

Vorgehen

Wie genau die Netzverstärkung realisiert wird, legt die Bundesnetzagentur in den für dieses Vorhaben gesetzlich definierten Genehmigungsverfahren – der Bundesfachplanung und dem Planfeststellungsverfahren – fest. Sie ist die zuständige Genehmigungsbehörde für alle Vorhaben aus dem Bundesbedarfsplan, die durch mehrere Bundesländer oder ins Ausland führen.


NOTWENDIGKEIT UND GESETZLICHE GRUNDLAGE

Als Übertragungsnetzbetreiberin ist die TransnetBW gemäß § 11 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verpflichtet, in ihrem Verantwortungsgebiet ein sicheres und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz zu betreiben, zu warten und bedarfsgerecht auszubauen.

Der Ausbaubedarf des Stromnetzes wird im Rahmen der Erarbeitung des Netzentwicklungsplans (NEP) regelmäßig ermittelt und überprüft. Der NEP führt alle Maßnahmen im deutschen Übertragungsnetz auf, die auf Grundlage der erforderlichen Prognose für Verbrauch und Erzeugung (Szenariorahmen) in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren von den Übertragungsnetzbetreibern ermittelt wurden. Das Vorhaben „380-kV-Netzverstärkung Großgartach – Kupferzell – Grafenrheinfeld“ ist seit 2012 im Netzentwicklungsplan Strom unter dem Namen „P48 Netzverstärkung im Nordosten von Baden-Württemberg und Bayern“ fest verankert und wurde seitdem auch in den Folgejahren bestätigt. In der aktuellen Version (NEP 2021) ist die Netzverstärkung eine sogenannte Zubaumaßnahme zum Startnetz, deren Notwendigkeit sich in den betrachteten Szenarien zeigt.

Die betroffenen Leitungsanlagen erfüllen eine wichtige Transportfunktion in Nord-Süd-Richtung. Mit der vorgesehenen Netzverstärkung wird einer Überlastung entgegengewirkt, die im Zuge der Energiewende in Süddeutschland zu erwarten ist. Gerade durch den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien in der Region (Fotovoltaik und Windkraft-anlagen) ergibt sich hier ein weiterer Netzausbaubedarf. Somit trägt die Netzverstärkung zur Integration der in der Region erzeugten erneuerbaren Energie in das Übertragungsnetz bei.

Bundesrat und Bundestag haben die Maßnahme 2013 in das BBPlG unter der Vorhaben-Nummer 20 aufgenommen und sowohl 2017 als auch 2019 und 2021 bestätigt. Damit wurden die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf des Projektes bestätigt und gesetzlich festgestellt. Mit der Aufnahme des Vorhabens in das BBPlG ist die TransnetBW verpflichtet, die Maßnahme umzusetzen.


Die Leitung zwischen Kupferzell und Grafenrheinfeld ist ein Bindeglied zwischen TenneT und TransnetBW für Leistungsflüsse auch aus den neuen Bundesländern von Altenfeld (Thüringen) über Grafenrheinfeld (Bayern) nach Baden-Württemberg.

Netzknoten Großgartach / Leingarten

NOVA-Prinzip

Die Abkürzung NOVA steht für Netz-Optimierung vor -Verstärkung vor -Ausbau. Das bedeutet, dass zunächst versucht wird, den bestehenden Betrieb von Leitungen zu optimieren. Reicht dies als Maßnahme nicht aus, werden Verstärkungsmöglichkeiten geprüft. Erst wenn auch eine Verstärkung nicht mehr genügt, werden Netzneubau-Maßnahmen in Betracht gezogen.



DIE MASSNAHMEN IM ÜBERBLICK

Im Folgenden findet sich eine Beschreibung der Abschnitte 2 und 3. Abschnitt 1 befindet sich im Eigentum der TenneT und wird daher an dieser Stelle nicht näher erläutert.

PUNKT RITTERSHAUSEN - KUPFERZELL (Abschnitt 2)

Zwischen Grafenrheinfeld und Kupferzell (Abschnitt 1 und 2) verläuft eine 380-kV-Gemeinschaftsleitung von TenneT und TransnetBW. In diesem Abschnitt ist es vorgesehen, auf der Bestandsleitung einen zusätzlichen 380-kV-Stromkreis aufzulegen (Maßnahme Nr. 38a). Der Abschnitt 2 vom Punkt Rittershausen (Gemeinde Gaukönigshofen, Landkreis Würzburg, Bayern) bis Kupferzell (Gemeinde Kupferzell, Hohenlohekreis, Baden-Württemberg) liegt in der Zuständigkeit der TransnetBW.

Abschnitt 2

Die Leitung besteht aus 139 Masten, verläuft in Süd-Nord-Richtung überwiegend über landwirtschaftliche Flächen und passiert einzelne Bebauungen im Außenbereich. Am Punkt Rittershausen, südwestlich des Ortsteils Rittershausen der Gemeinde Gaukönigshofen, endet die Eigentumsgrenze an der Leitungsanlage mit Mast 138. An diesem Punkt beginnt die TenneT-Leitung B125 mit Mast 1, welcher mit Mast 138 verbunden ist.

Die aktuelle Planung sieht vor, auf den freien Traversenplatz ein Hochtemperaturseil aufzulegen. Ein Mastneubau ist nicht erforderlich. Der Vorteil eines Hochtemperaturseiles ist, dass durch eine spezielle Aluminiumlegierung eine größere Strommenge durch das Seil transportiert werden kann.

Freier Traversenplatz

Aktueller Stand

Durch die Novellierung des BBPlG im Mai 2019 entfällt für den Abschnitt 2 Kupferzell-Rittershausen die Bundesfachplanung. Für diesen Abschnitt stellte die TransnetBW im Januar 2020 den Antrag auf Planfeststellung nach § 19 NABEG. Im März 2020 fand eine öffentliche Antragskonferenz statt, der Untersuchungsrahmen seitens der Bundesnetzagentur folgte im April 2020. Ende April 2021 reichte die TransnetBW die finalen Unterlagen zur Planfeststellung nach § 21 NABEG bei der Bundesnetzagentur ein.

Der vorläufige Zeitplan für Abschnitt 2 (Stand 05/2021) kann der folgenden Grafik entnommen werden.


GROSSGARTACH - KUPFERZELL (Abschnitt 3)

Zwischen den beiden Umspannwerken in Kupferzell und Großgartach betreibt die TransnetBW eine Leitungsanlage, die momentan mit einem 220-kV- und einem 380-kV-Stromkreis belegt ist. Der 220-kV-Stromkreis ist außer Betrieb. Zukünftig sollen zwei 380-kV-Stromkreise zwischen den beiden Umspannwerken betrieben werden. Aus statischen Gründen ist die vorhandene Leitungsanlage aber nicht dafür ausgelegt, zwei 380-kV-Stromkreise zu tragen. Daher ist ein Ersatzneubau der vorhandenen Leitungsanlage weitestgehend in bestehender Trasse geplant. Bei einem Ersatzneubau werden Masten und Leiterseile einer bereits bestehenden Stromleitung gegen neue und dem heutigen technischen Stand entsprechende ausgetauscht.

Abschnitt 3

Der ein Kilometer breite Trassenkorridor führt entlang der 380-kV-Bestandsleitung vom Netzverknüpfungspunkt Großgartach/Leingarten ausgehend in nordöstliche Richtung vorbei an Neckarsulm und Neuenstadt am Kocher, anschließend in östlicher Richtung über Ohrnberg, Zweiflingen und Kirchensall bis zum Netzverknüpfungspunkt Kupferzell. Der Naturraum wird überwiegend von kleineren Siedlungen und Städten geprägt, größerer Ballungsraum ist Heilbronn.

Weiter verläuft der Trassenkorridor größtenteils über Ackerflächen beziehungsweise landwirtschaftlich genutzte Flächen. In Neckarsulm wird eine Teilfläche des Gewerbe- und Industrieparks Bad Friedrichshall GmbH gequert, bei Ohrnberg zwei Teilflächen des FFH-Gebiets „Ohrn-, Kupfer- und Forellental“. Westlich von Heilbronn kreuzt der Trassenkorridor die Bundesautobahn A 6 und nördlich von Hardthausen am Kocher die Bundesautobahn A 81. Neben der Neckarquerung bei Neckarsulm und der Kocherquerung bei Ohrnberg werden an vier weiteren Stellen kleinere Zuläufe von den genannten Flüssen gequert.

Aktueller Stand

Die Bundesfachplanung für den Abschnitt 3 Großgartach-Kupferzell wurde 2016 mit dem Antrag nach § 6 NABEG eröffnet. Nach der Antragstellung erfolgte Anfang 2017 eine Antragskonferenz in Weinsberg, im Anschluss daran die Festlegung des Untersuchungsrahmens nach § 7 NABEG.

Mit den Unterlagen nach § 8 NABEG wies die TransnetBW einen Trassenkorridor-Vorschlag aus. Die Bundesnetzagentur legte im Dezember 2019 den konkreten Trassenkorridor nach § 12 NABEG fest und schloss mit dieser Entscheidung die Bundesfachplanung ab.

Im März 2020 reichte die TransnetBW den Antrag auf Planfeststellung nach § 19 NABEG ein. Aufgrund der Corona-Pandemie fand keine Antragskonferenz, sondern eine schriftliche Beteiligung gemäß Planungsicherstellungsgesetz (PlanSiG) statt. Die Präsentation zur Vorstellung der Unterlagen nach § 19 NABEG steht im Downloadbereich zur Verfügung.

Nach Übermittlung des Untersuchungsrahmens im Juli 2020 bereitet die TransnetBW aktuell die Unterlagen zur Planfeststellung nach § 21 NABEG vor, welche voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 eingereicht werden.

Der vorläufige Zeitplan für Abschnitt 3 (Stand 05/2021) kann der folgenden Grafik entnommen werden.




Weitere Maßnahmen in der Region

Im Nordosten von Baden-Württemberg und in den angrenzenden bayerischen Landesteilen erfolgte in den letzten Jahren ein starker Zubau erneuerbarer Energien. Vor allem Windkraft- und Fotovoltaikanlagen wurden ausgebaut. Der von diesen Anlagen in das Verteilnetz eingespeiste Strom bringt dieses an seine Kapazitätsgrenzen. Regelmäßige Eingriffe in den Netzbetrieb sind notwendig, um die Netzstabilität aufrechtzuerhalten. Um hier Verbesserungen zu erreichen, werden die bestehenden Leitungen zwischen Königshofen und Stalldorf sowie zwischen Elpersheim und Stalldorf verstärkt sowie das Umspannwerk Stalldorf neu gebaut.



Projektbroschüre

Die Broschüre steht Ihnen nachfolgend und in der Mediathek zum Download bereit.

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