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Hochrhein | Herbertingen – Waldshut-Tiengen (P206)
Die Leitungsanlagen zwischen Herbertingen und Waldshut-Tiengen gehen zurück auf die 1930er-Jahre, als zur Versorgung des Ruhrgebiets eine durchgehende Nord-Süd-Leitung von den Kraftwerken der Alpen in den Norden gebaut wurde. In den 1960er-Jahren errichtete das Badenwerk als Vorläufer der TransnetBW (neben Amprion) die Leitungen, mit denen bis heute der Bodenseeraum mit Energie versorgt wird. Die Leitungen haben das Ende ihres Lebenszyklus erreicht und müssen erneuert werden.
Hintergrund
Die Bundesnetzagentur hat 2019 das Gemeinschaftsprojekt Hochrhein P206 von TransnetBW und Amprion aus dem Netzentwicklungsplan 2019 (2030) bestätigt. Mit der Novelle des Bundesbedarfsplans (März 2021) wurden für das Projekt die energiewirtschaftliche Notwendigkeit sowie der vordringliche Bedarf gesetzlich festgestellt. Für die Übertragungsnetzbetreiber ergibt sich hierdurch die Pflicht zur Umsetzung.
In den kommenden Jahren erneuern TransnetBW und Amprion die bestehenden 220-kV- und 380-kV-Leitungen auf einer Strecke von rund 140 Kilometern zwischen Herbertingen und Waldshut-Tiengen. Nach Fertigstellung der neuen, leistungsfähigeren Leitung, die überwiegend als Ersatzneubau errichtet wird, werden die bestehenden Trassen zurückgebaut.
Allgemeine Information zum Freileitungsbau finden Sie in unserer Broschüre zum Freileitungsbau.
Parallel zum Neubau der Leitung werden fünf Umspannwerke an die neuen Bedingungen angepasst. An den Standorten in Herbertingen und Gurtweil (Waldshut-Tiengen) werden die bestehenden Schaltanlagen durch neue ersetzt. Das Umspannwerk in Beuren wird erneuert. Zudem erfolgt der Neubau eines Umspannwerks in Pfullendorf.
Das Projekt Hochrhein | Herbertingen – Waldshut-Tiengen (P206) soll 2032 in Betrieb gehen. Nach Ende des Gesamtprojekts ist geplant, das bisherige Umspannwerk in Stockach zurückzubauen.


LEITUNGSABSCHNITTE
Abschnitt 1 verantwortet Amprion. Hier ist das Regierungspräsidium Tübingen die zuständige Genehmigungsbehörde. Die Abschnitte 2, 3 und 4 liegen im Zuständigkeitsbereich von TransnetBW und werden vom Regierungspräsidium Freiburg genehmigt.
Der 40 Kilometer lange erste Abschnitt im Landkreis Sigmaringen führt von der Umspannanlage Herbertingen bis Sauldorf. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des zuständigen Übertragungsnetzbetreibers Amprion.
Die neue 380-kV-Leitung wird überwiegend als Ersatzneubau realisiert und ersetzt die beiden bestehenden Höchstspannungsleitungen. Das bedeutet, dass die geplante Höchstspannungsleitung in einem Abstand von bis zu 200 Metern zur Bestandsleitung geplant wird. Nur aufgrund zwingender Gründe wird an zwei Stellen von diesem 200 Meter-Korridor abgewichen: In Talheim (Tengen) verläuft im Bereich Waldfrieden die geplante Leitung nördlich der Bundesstraße 314. Dies ist durch ein Schutzgebiet begründet. In Eckartsbrunn (Eigeltingen) soll die Leitung zukünftig nördlich des Ortsteils verlaufen, aufgrund der Geländetopografie und baulicher Restriktionen. Nach Inbetriebnahme der neuen 380-kV-Leitung werden die bestehenden Höchstspannungsleitungen zurückgebaut.
Der Anschluss des Umspannwerks in Beuren (Singen Hohentwiel) erfolgt zukünftig in Bündelung parallel zur Bundesautobahn 81. Dies erlaubt das sogenannte Bündelungsgebot. Damit entsteht in diesem Abschnitt ein Neubau. Dadurch halbiert sich die Trassenlänge zwischen Engen, Beuren (Singen) und Stockach um rund zehn Kilometer. Nach Abschluss wird der Raum zwischen Eigeltingen und Stockach durch den Rückbau der Bestandsleitung erheblich entlastet.
Ende Juni 2025 wurden planmäßig die Planfeststellungsunterlagen mit einem konkreten Trassenverlauf für den rund 45 Kilometer langen Leitungsabschnitt 2 | Mainwangen (Mühlingen) – Talheim (Tengen) mit Anschluss Beuren beim Regierungspräsidium Freiburg eingereicht. Die Genehmigungsbehörde führte anschließend die öffentliche Beteiligung durch. Abschluss des Verfahrens ist der Planfeststellungsbeschluss, die rechtsverbindliche Genehmigung für das Projekt.
Insgesamt sind in diesem Abschnitt 117 neue Masten geplant. Nach Inbetriebnahme der neuen 380-kV-Leitung werden 210 Masten der Bestandsleitungen von TransnetBW und Amprion zurückgebaut.
Im Abschnitt 3 erneuert TransnetBW die bestehenden 220-kV- und 380-kV-Leitungsanlagen, die von Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis bis zum Umspannwerk Gurtweil (Landkreis Waldshut) verlaufen. Die neue 380-kV-Leitung, die überwiegend als Ersatzneubau errichtet wird, ersetzt die zwei bisherigen Leitungsanlagen und ermöglicht deren Rückbau.
Für Abschnitt 3 läuft derzeit die Vorbereitung der Planfeststellung. Die geplanten Maststandorte stehen bereits fest. Ab dem dritten Quartal 2026 werden an diesen Standorten Baugrunduntersuchungen durchgeführt. Gleichzeitig werden die Planfeststellungsunterlagen erstellt und voraussichtlich Mitte 2027 eingereicht. Anschließend schließt sich das Planfeststellungsverfahren an, dessen Abschluss derzeit für Anfang 2029 erwartet wird.
Aktuell werden zudem die Eigentümerinnen und Eigentümer angeschrieben,
um planungsrelevante Inhalte aufzunehmen und den Dialog mit Eigentümerinnen, Eigentümern und Pächterinnen und Pächtern zu fördern. Alle eingehenden Hinweise werden auf ihre Planungsrelevanz geprüft und, sofern sie relevant sind,
in den Planungsunterlagen berücksichtigt.
Im Rahmen des geplanten Ausbaus der 380-kV-Leitung „0345“ erfolgt eine Unterscheidung zwischen der vorgezogenen Maßnahme „VM02“ und dem sonstigen Abschnitt 4.
VM02 – Vorbereitende Maßnahme zur Anbindung des Umspannwerks:
VM02 umfasst die ersten rund 800 Meter westlich des Umspannwerks im Tal und dient der Anbindung an die bestehende 380-kV-Leitung. Um Platz für die neuen Anbindungen zu schaffen, ist es notwendig, zwei bestehende 110-kV-Anlagen zu verkabeln. Diese Teilverkabelung wird in einem eigenständigen Planfeststellungsverfahren behandelt.
Mit der Teilverkabelung der 110-kV-Freileitung werden die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um Abschnitt 4 künftig anbinden zu können.
Für die Maßnahme VM02 wurden die Maststandorte bereits festgelegt,
die Baugrunduntersuchungen werden ab September 2026 durchgeführt.
Die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer sind schriftlich informiert worden. Die Planfeststellungsunterlagen wurden Ende 2025 beim Regierungspräsidium Freiburg eingereicht. Der Planfeststellungsbeschluss
wird nach aktuellem Stand bis Ende 2026 erwartet. Anschließend starten
die vorbereitenden Maßnahmen für den Bau.
Sonstiger Abschnitt 4:
Für den übrigen Abschnitt 4 wurden die geplanten Maststandorte ebenfalls bereits festgelegt. Die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer sind informiert.
Ab dem dritten Quartal 2026 werden die Baugrunduntersuchungen durchgeführt. Die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Der Planfeststellungsbeschluss wird derzeit bis Ende 2027 erwartet.

Umspannwerke
Umspannwerke werden auch Schaltanlagen genannt. Sie transformieren Strom zwischen verschiedenen Spannungsebenen, z. B. von 380 Kilovolt auf 110 Kilovolt und umgekehrt. Die angeschlossenen Leitungen der niedrigeren Spannungsebene verteilen den Strom in der Region oder speisen Strom aus der Region in das Hochspannungs-Übertragungsnetz ein. In den Schaltanlagen der Umspannwerke können außerdem Leitungen ein- und ausgeschaltet werden, was zum Beispiel im Fall von Wartungsarbeiten am Netz notwendig ist. Zur Steuerung und Überwachung werden modernste, dem Stand der Technik entsprechende digitale Geräte der Schutz- und Leittechnik eingesetzt.
Mehr zum Thema Umspannwerke erfahren Sie in unserer Umspannwerks-Broschüre.
Im Projekt Hochrhein (P206) wird die Übertragungskapazität der Stromleitungen erhöht. Daran angeschlossene Umspannwerke müssen entsprechend angepasst werden. Parallel zum Neubau
der Leitung zwischen Herbertingen und Waldshut-Tiengen werden insgesamt fünf Umspannwerke erweitert oder neu gebaut und bisherige Anlagen zurück gebaut.
Am Standort Waldshut-Tiengen entstehen mit Gurtweil (TransnetBW) und
Tiengen (Amprion) zwei neue 380-kV/110-kV-GIS-Anlagen. Sie bilden einen wichtigen Knotenpunkt für den Anschluss mehrerer Leitungsprojekte,
darunter die neue 380-kV-Leitung von Herbertingen nach Waldshut-Tiengen.
Die Antragsunterlagen wurden im Juli 2025 eingereicht.
Seit April 2026 liegt die Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) für den Neubau der Schaltanlage Gurtweil vor. Damit startet die Erschließung des Standorts. Gleichzeitig wird das Gelände gestaltet und die Zufahrt neu errichtet. Anfang 2027 beginnen die Erd-, Tief- und Infrastruktur-arbeiten, gefolgt von den Hochbaumaßnahmen ab Anfang 2028. Der Elektro-anlagenbau kann schließlich ab Herbst 2028 erfolgen.
Das Umspannwerk Beuren wird neu gebaut und erweitert. Anstelle der bisherigen 220-kV-Schaltanlage wird eine 380-kV-Schaltanlage errichtet und an die neue 380-kV-Leitung von Herbertingen nach Waldshut-Tiengen angeschlossen. Die bisherige Schaltanlage wird anschließend zurückgebaut. Der Baubeginn erfolgte im September 2024. Die Inbetriebnahme des neuen Umspannwerks ist für 2027 vorgesehen.
Um das neue Umspannwerk an die neue 380-kV-Leitung anbinden zu können, wurde die Leitungseinführung in das Umspannwerk nach Süden verlegt. Dazu wurden zwei neue Masten errichtet. Zusätzlich wurde ein provisorischer Mast errichtet, der nach der Inbetriebnahme der neuen Leitungsanlage Herbertingen – Waldshut-Tiengen wieder abgebaut wird. Als zuständige Genehmigungsbehörde erteilte das Regierungspräsidium Freiburg im September 2024 den Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben.
Die Bauarbeiten an der neuen Leitungseinführung sind abgeschlossen. Es folgen weitere Maßnahmen zur Inbetriebnahme der neuen Leitungseinführung in 2026 und 2027. Ende 2027 ist das Teilprojekt mit Abbau der alten Bestandmasten dann abgeschlossen.

Im Zuge des Neubaus der Leitungseinführung ins Umspannwerk Beuren sowie des Neubaus des Umspannwerks selbst ist in den letzten Wochen ein besonderes Highlight entstanden: Das Fundament des provisorischen Mast 28 der Leitungsanlage 4953, die künftig Strom ins Umspannwerk Beuren bringen, wurde von Graffiti-Künstlern künstlerisch gestaltet.

In Pfullendorf wird eine neue 380-kV-/110-kV-Schaltanlage gebaut, um künftig die regionale Versorgung durch das 110-kV-Netz der Netze BW im Bodenseeraum zusätzlich von Westen zu ermöglichen. Das neue Umspannwerk wird an die Leitung von Herbertingen nach Waldshut-Tiengen angebunden.
Am Standort Herbertingen bestehen Schaltanlagen von Amprion, TransnetBW und Netze BW. Im Zuge der Netzverstärkung am Hochrhein werden die Umspannwerke erneuert und teilweise neu gebaut. TransnetBW wird am Standort verschiedene Maßnahmen durchführen. Unter anderem erfolgt der Ersatz der bestehenden gasisolierten Schaltanlage durch eine neue 380-kV-Anlage. Die neue Leitung von Herbertingen nach Waldshut-Tiengen und andere 380-kV-/110-kV-Leitungsanlagen werden an die Umspannwerke der TransnetBW und der Amprion angeschlossen. Baubeginn ist voraussichtlich 2027.
Nach bisherigem Stand der Planungen kann das Umspannwerk Stockach nach Abschluss aller Leitungsmaßnahmen im Projekt Hochrhein (P206) vom Netz genommen und zurückgebaut werden. Dies ist nach bisheriger Planung ab 2032 vorgesehen.
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